Großwesir von Hundistan, Herrscher über den Dicken und die Couch: Der Don. Foto: Der Dicke

An dieser Stelle kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don. Der Dicke und ich führen Krieg. Das wichtigste Schlachtfeld ist rot gefärbt: die Couch. Gewinnen wird der, der die Guerilla-Taktik anwendet – also ich.

Die Wohnung ist in zwei Machtzentren aufgeteilt. Im Südwesten liegt Fort Körbchen. Die Bastion der freien Hundewelt. Im Nordosten steht das Bunkerbett. Von dort startet der Dicke in sein Tagwerk.

Grundsätzlich verstehen wir uns. Vielleicht. Aber ich will nicht, dass hier ein falscher Zungenschlag reinkommt. Deswegen soll es um die Schlachten gehen, die wir führen. Die härtesten davon finden abends statt. Während der Fernseher läuft. Es geht um die Couch.

1,80 Meter. 120 Kilo Kampfgewicht. Vor der Corona-Krise. Die Zahlen sprechen für den Dicken. In einer offenen Schlacht habe ich keine Chance. Deswegen habe ich mich für die Guerilla-Taktik entschieden. Mit Erfolg.

Das Ende der Herrschaft des Dicken

Ich bin vor ihm auf der Couch. Aber das hilft nichts. Gegen sein „Geh weg, Digga“ habe ich nichts entgegen zu setzen. Anfangs. Ich kauere mich daher in der Ecke der Couch zusammen. Es ist dennoch der Anfang vom Ende der Herrschaft des Dicken.

Meine wichtigste Waffe heißt Gemütlichkeit. Jedes mal wenn ich mich räkele, verliert der Dicke 50 Quadratzentimeter an Boden. Es lässt ihn wehrlos zurück. Was will er schon gegen einen Hund sagen, der sich streckt?

Zudem hat er eine Schwäche. Er schaut fern. Mich interessiert das nicht. Bis auf das eine mal, als Miauen aus dem Ding raus kam, aber die Katze nirgendwo zu finden war – auch nicht hinter dem Gerät. In der Regel lenkt der Fernseher die Aufmerksamkeit des Dicken ab. Er bekommt gar nicht mit, wie er an Boden verliert.

Wenn es soweit ist, dann hat er die Schlacht schon verloren. Dann strecken sich meine 42 Zentimeter Körpergröße quer über die Couch aus, während es nun der Dicke ist, der sich in die Ecke kauert, die ihm verblieben ist. An schlechten Tagen schlägt das Imperium zurück. Aber die sind selten. Am Ende gewinnt der Guerilla-Hund.

Mein Verbündeter ist die Zeit

So geht es auch auf dem anderen großen Schlachtfeld zu. Dem Kampf ums Futter. Das ist für mich Tabu, so lange es der Dicke nicht freigibt. Soweit der offizielle Part. Auch hier meide ich die offene Feldschlacht. Mein Verbündeter ist die Zeit.

Ich weiß genau, wann der Dicke Essen stehen lässt. Ich kenne jeden Platz in- und auswendig. Und ich kann warten. Zum Beispiel bis der Dicke einkaufen geht. Ist dann etwas halbwegs erreichbar, gehört es mir.

Einmal hat der Dicke Osterhasen gekauft. Er hat sie auf das zweitoberste Regal der Schrankwand gestellt. Dort sei es sicher – so dachte er. Ich will jetzt nicht verraten, wie ich es gemacht habe. Der Dicke soll nicht wissen, dass ich mit den Hinterpfoten auf dem Tisch und den Vorderpfoten auf der Regalwand gestanden habe, um dann die Hasen nach unten zu ziehen. Aber funktioniert – das hat es.

Wir sind gut in PR

Als erstes stirbt im Krieg die Wahrheit. Das stimmt. Darüber kann man lamentieren – oder es sich zu eigen machen. So wie wir Hunde. Unserer PR-Abteilung ist es gelungen, zu verbreiten, wir hätten kein Gedächtnis. Das war ein Coup.

Denn es segnet die Guerilla-Taktik ab: Kommt der Dicke zurück und sieht die zerrissene Verpackung der Osterhasen auf dem Boden, kann er sauer werden – schimpfen darf er indes nicht mit mir. Ich kann mich ja an nichts erinnern.

Das ist das eigentlich Geniale an der Guerilla-Taktik. Der Dicke wähnt sich als Sieger. Als Chef. Als Beherrscher des Geschehens… Dabei habe ich alles Wesentliche in der Hand. Chef ist der, der das Gassigehen genießt. Die anderen tragen den Kot-Beutel.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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