Auf Wiesen geht der Don am liebsten spazieren. Foto: Der Dicke

Hier kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don. Gassipflicht habe ich bei uns längst eingeführt. Der Vorteil für den Dicken: Für Befreiungen muss er nicht erst einen Antrag stellen oder ein Attest einreichen. Ich gewähre sie ihm ganz unbürokratisch.

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Wenn der Sommer zu Ende geht, wird der Dicke entspannter. Denn er schläft jetzt wieder länger. Ich neige dazu, mit dem Sonnenaufgang aufstehen zu wollen. Und der kommt jetzt deutlich später nach dem Gute-Nacht-Leckerli als bisher. Und da ich nicht mehr gerne im Dunkeln spazieren gehe, hat auch der Dicke was davon – mehr Zeit in seinem Bett.

Ich finde das ja nett, dass die Frau, die ich schon damals im Abgeordnetenhaus gemocht habe, dem Dicken jetzt eine Gassipflicht auferlegen will. Doch da kümmere ich mich schon selber drum. Wenn ich vor der Wohnungstür hin und her tigere, bewegt sich der Dicke mit mir nach draußen wie ein Zebra auf der Flucht.

Und so gerne und oft ich mich über ihn beschwere. Gassigehen gehört zu den Dingen, die er eher gut kann. Er hat ein Auge für Gelände, die ich mag: Saftige Wiesen, mit vielen Wildtier-Fährten und einem nahen Unterholz, in dem sich das Volk versteckt. An solchen Plätzen sind wir reichlich. Für mich wäre eine Stunde am Tag ein Rückschritt.

Verschwörungstheorie Silvester

Nun ist der Dicke ein Verschwörungstheoretiker. Er glaubt an die Macht von Kalendern und wiederkehrenden Ereignissen. Hokuspokus, den ich eher amüsiert betrachte. Allerdings leitet der Dicke daraus ab, es gebe auch dieses Jahr wieder ein Silvester. Und das sei gar nicht mehr so lange hin.

Nonsens. Wir haben den Mist doch gerade erst hinter uns gebracht. Gesetzt der Fall, der Dicke hat recht. Nein, das ist Quatsch. In einer Phantasiewelt, in der der Dicke recht hat, gibt es also wieder Silvester. Da würde ich nicht eine Stunde am Tag rausgehen wollen. Eigentlich ist mir da schon jede Minute zu viel.

Der Dicke und ich stehen um Silvester rum früh auf. Sehr früh. Das sind die einzigen zehn Minuten, die ich in der Zeit am Stück rausgehe. Sowie ich in die Knie gegangen bin, will ich wieder heim. Tagsüber bin ich dann nur noch bereit, bis zum Auto zu laufen. Wir fahren durch die Gegend, halten, ich springe raus, mache ein Geschäft und springe wieder rein. So geht das über zwei Stunden.

Die Abrechnung

Wir würde das dann gezählt? Gelten die vollen zwei Stunden als Spaziergang oder nur die Minuten, die ich das Auto verlasse? Und muss der Dicke Protokoll darüber führen? Wem gibt er das dann?

Dazu kommt: Der Dicke lügt. Manchmal sagt er, wir gehen gleich schlafen, sodass ich mich schon auf mein Leckerli einrichte. Dann zeigt aber irgendein Sender Vier Hochzeiten und ein Todesfall und ratzfatz vergehen zwei Stunden, bis ich tatsächlich zu meinem Gute-Nacht-Leckerli komme.

Also muss das Protokoll geprüft werden. Steht dann ein Gassi-Kontrolleur bei uns im Garten, verfolgt uns und notiert die Zeiten, lässt sich dann das Protokoll kommen und vergleicht die Angaben? Und welche Strafen drohen ihm? Muss er sich auch in sein Körbchen legen und mir aus dem Weg gehen?

Kommt auch Napfpflicht?

Mir scheint das mit der Gassipflicht noch nicht so recht durchdacht. Auch ist es nicht mein dringendstes Anliegen. Schließlich muss ich ja nicht die Wohnung putzen, wenn der Dicke nicht rechtzeitig in die Hufe und in den Garten mit mir kommt.

Was mich mehr interessieren würde, ist eine Napfpflicht. Der Dicke lässt mich immer wieder elendig hungern. Höchstens zwei mal am Tag ist der Napf gefüllt. Wobei das nicht ganz treffend beschrieben ist. Weniger geleert. Ja, das ist der Napf dann. Wenn die nette Frau da mal dem Dicken Vorgaben machen würde, wie voll das Ding zu sein hat – das würde helfen.

Der Dicke lacht. Da ließe er sich gerne drauf ein. Ihr Ministerium wolle auch dafür Vorgaben machen, erzählt er. Alle sollten weniger essen. Und gesünder. Vor allem aber nicht so viel Fleisch. Ernsthaft? Stimmt das? Oder ist das wieder so ein Lügenmärchen, wie dass Silvester jedes Jahr ist?

So braucht mir keiner zu kommen. Am Ende ist es dann doch besser, wenn sich keiner einmischt und ich mit dem Dicken selber abkläre, was ich will.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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