Foto: Der Dicke.

An dieser Stelle kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don. Ich darf wieder meine Freunde sehen. Nach der vielen Zeit alleine mit dem Dicken ist das eine echte Wohltat. Langsam hatte ich mich zu sehr an ihn gewöhnt.


Wir waren in den letzten Wochen oft beim Schorsch. Ich habe darauf bestanden. Denn ich wollte wirklich sicher gehen, dass keiner da ist. Und der Dicke meinte, das sei ok. Dann könnten wir bei der Gelegenheit schauen, ob rund um das Gebäude noch alles in Ordnung ist. Dass dabei aber nichts zu essen raussprang, war schon ein Rückschlag.

Bis Mittwoch. Da gab es dann endlich wieder Fleischwurst. Und Kaustreifen vom Norbert. Allerdings waren die ein wenig härter als sonst. Während der Kontaktsperre lagen die in seinem Wagen. In einer geöffneten Tüte. Aber man soll ja nichts verkommen lassen.

Während ich schreibe, nölt der Dicke von der Seite rein: Die Kontaktsperre gelte immer noch. Klugscheißer. Aber er hat ja recht. Mich trifft das durchaus auch: An meinen Platz vor der Theke darf ich nicht mehr. Dabei hat man von dort den besten Blick auf die Küchentür – und wenn mich die Inge, die Heike oder die Vera sehen, kommen sie schon mal mit einer Extraration raus.

Neues Revier gefunden

Uns ging es in den letzten Wochen eigentlich gut: Der Dicke war viel daheim. Auf mein Drängen hin hatten wir uns ausreichend beim Fressnapf versorgt. Was sich als überflüssig erwies, weil die Versorgung eigentlich nach wie vor gut funktioniert. Und wir waren draußen. Viel draußen. Der Dicke hat sich endlich mal Zeit genommen für Spaziergänge. Zudem haben wir ein gutes Gelände entdeckt, das für mich mein neues Revier geworden ist. Wo es liegt, darf ich nicht verraten, meint der Dicke. Sonst sei es auch bald überlaufen.

Das war schon gut und wichtig, dass es bei uns in Mainz weiter erlaubt war, spazieren zu gehen. Den ganzen Tag mit dem Dicken in der Wohnung hätte ich es nicht ausgehalten. Außerdem habe ich schon mal erlebt, was es heißt, sein Nest gar nicht verlassen zu dürfen. Leute, glaubt mir, das macht nichts Gutes aus Euch.

Im Saarland war das anders. Da durften die Leute so gut wie gar nicht vor die Tür. Um zu verhindern, dass sich Leute treffen und der Virus sich ausbreitet. In den Wald durften sie. Da waren dann ganz viele. Was bei mir die Frage aufwirft, ob sich der Virus dort dann nicht ausbreitet. Aber was verstehe ich schon davon.

Jedenfalls konnten wir jetzt auch wieder Sam und die Eltern des Dicken besuchen. Ich war wieder im Dirminger Wald. Früh morgens. Da war der auch nicht so überlaufen. Und was soll ich sagen: Es hat aber mal so was von Spaß gemacht.

Lasse den Dicken nur ungern zurück

Weil der Dicke in letzter Zeit öfters gehumpelt hat, kommen jetzt auch wieder die Gassigeher vom Hundetraum. Das freut mich. Die habe ich lange Zeit nur zufällig getroffen – und dann immer zu kurz.

Am Anfang wollte ich aber nicht mit. Ich habe jetzt so viel Zeit nur zusammen mit dem Dicken verbracht, dass mir der Gedanke nicht mehr gefällt, ihn allein zu lassen. Obwohl der Gonsbach oder der Hartenbergpark natürlich verlockende Alternativen zu ihm sind.

Bei allem, was mir gefehlt hat, hat es doch auch schöne Momente in den vergangenen Wochen gegeben: Als Ausgleich für das, was mir an Leckerlis entgeht, hat der Dicke einen Sack mit Trockenfutter gekauft. Den Balkon haben wir so eingerichtet, dass wir dort jetzt in den Sonnenuntergang dösen können. Und der Dicke hat jetzt wieder damit angefangen Übungen mit mir zu machen. Klappen die, gibt es Leckerlis – was eigentlich das einzige ist, was mir daran gefällt.

Nein, das ist übertrieben. Ich mag auch das Spielen. Und dass der Dicke in den letzen Wochen da war, war nicht nur schlecht. Wobei ich mich jetzt freue, meine Freunde wieder zu sehen. Wenn es dann obendrein noch Fleischwurst gibt, ist alles gut. Richtig gut.

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don

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