Fitnessstudio und Gruppenraum müssen vorerst leer bleiben. Doch das Training geht weiter. Foto: Mario Thurnes

Als ich den Gichtanfall bekommen habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass etwas anderes mein Training noch mehr beeinträchtigen würde – keine Woche später wurde ich eines Schlechteren belehrt: Kontaktverbot. Sinnvoll, aber halt auch blöd. Doch zum Glück bietet Torben eine Lösung an.

Auch eine Serie mit Erlebnisberichten wird vorher geplant. Zwar weißt du als Autor nicht genau, was passieren wird, aber du teilst die Folgen in Themen ein. Zum Beispiel: Auftakt, Gewöhnung, Ausrüstung, Rückschläge und Erfolge. Doch alles kannst du eben nicht planen.

Dass ich in einem Frühjahr einen Gichtanfall haben könnte, hatte ich auf dem Schirm. Auch wenn meine Ärztin mir das Gegenteil schwört, merke ich, dass ich anfälliger bin, wenn es draußen kalt, vor allem aber, wenn es feucht wird. Deswegen hatte ich einen Anfall als durchaus möglich mit eingeplant. Es hätte ja auch eine andere Krankheit sein können. Grippe zum Beispiel.

Eine Kontaktsperre wegen eines Virus hatte ich im Februar nicht in meinen verrücktesten Träumen als Gegenstand. Geschlossene Restaurants, Friseure, Masseure – und eben auch Fitnessstudios. Die Frage steht im Raum: War‘s das. Wenn ich ehrlich bin: Zwischenzeitlich beantworte ich sie mit ja.

Direktnachricht gibt mir neuen Mut

Dann kommt eine Direktnachricht über Facebook, die alles ändert: Torben hat eine Idee, wie es weitergehen könnte. Stichwort: Fitness im Internet. Bevor ich auf die Idee eingehe, muss ich Torben vorstellen. Noch besser als bisher in dieser Serie.

Torben ist ein Bekloppter. Im besten Sinn. Er brennt für sein Ding. Und sein Ding ist die Fitness. In Mommenheim hat er das erste Gym7 eröffnet. Ein Riesenerfolg. Jetzt baut er in Mainz-Hechtsheim ein zweites auf. Die Ausrüstung ist auf Top-Stand. Aber das ist nicht das entscheidende. Wichtiger ist der Geist, der hier herrscht.

Als Personaltrainer ist Torben streng. Manchmal so, dass es weh tut. Aber Fitness ist wie Medizin. So lange sie schmeckt, wirkt sie nicht. Und so ist Torben Arzt, Krankenschwester und Mama zugleich, die dafür sorgen, dass man die Medizin am Ende doch schluckt. Bloß wegen eines Virus sein Ding aufzugeben, ist Torbens Sache nicht.

Also eröffnet er auf der Internetseite des Gym7 das virtuelle Fitnessstudio. Er selber gibt Anleitungen, wie sich jeder zuhause in Form halten kann. Seine Trainer verlegen die Kurse ins Netz.



Einfach ist es halt nicht

Klappt das? Es wäre gelogen, zu behaupten, das wäre einfach. Im Home Office und unter dem Kontaktverbot merke ich, dass ich meine Gewohnheiten ändern muss. Bin ich in meiner Wohnung, mache ich gerne das, was mir gerade einfällt. Das wäre fatal, sagt Diplom-Psychologin Sabine Maur. Gerade im Home Office brauche der Tag Strukturen, sonst leide das Wohlbefinden.

Also mache ich es mit dem Training genau so wie in der Zeit vor der Kontaktsperre: Ich plane Termine dafür ein. Das hilft schon einmal – reicht aber nicht. Bis jetzt war mein Fernseher nicht am Netz. Das war nicht notwendig. Ich trenne Surfen und Glotzen, da bin ich altmodisch.

Doch wenn ich Sport machen will, zu dem ich aus dem Netz angeleitet werde, dann brauche ich Platz. Den gibt es hinter dem Schreibtisch, wo sonst der Laptop steht, allerdings nicht. Vorm Fernseher schon. Also schließe ich Laptop und Fernseher zusammen und Torben erscheint auf dem Schirm. Ich erschrecke. Das hat jetzt schon was von Big Brother. Dem Buch. Nicht der Fernsehshow.

Das größte Problem bin – wie immer – ich. Wenn es zwickt, setze ich die Übungen aus. Ich schummele bei der Anzahl der Wiederholungen, die bei jeder Übung gemacht werden sollen. Würde ich das im Gym7 versuchen, würde Torben meine rektale Perspektive erweitern. Um „Arsch aufreißen“ zu vermeiden, weil man das im Internet nicht schreiben soll.

Jetzt müsste es wirklich wie in Big Brother sein: Der Bildschirm beobachtet dich und kommentiert dein Verhalten. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit. Ich reiße mich selber zusammen, weil es ja auch um meine Fitness geht. Das ist ein Wechsel der Einstellung, den ich mir im Februar so auch noch nicht hätte vorstellen können. Doch was ist noch so, wie wir es uns letzten Monat vorstellen konnten?