Prägt das Dschungelcamp, aber trägt es nicht: die Kandidatin Daniela Büchner. Foto: TVNOW/ Arya Shirazi

Das Dschungelcamp startet an diesem Freitag in die zweite Phase. Ab jetzt entscheiden die Zuschauer nicht mehr darüber, wer in die Prüfung muss, sondern wer im Camp bleiben darf. Bisher lief die Show nicht gut. Erzählerisch. Und auch die Quoten stürzen ab.

Ein wenig ein Schmuddelimage hat „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ schon seit der ersten Staffel von 2004. Doch zwischendrin konnte das Format auch in den Feuilletons überzeugen. Die Mischung aus Zynismus, Voyeurismus und schlicht Entertainment hatte was. Zumal Gagschreiber, Kameraleute oder Cutter auf handwerklich höchstem Niveau arbeiteten.

Zu den prominenten Fans gehörte auch Deutschlands oberster TV-Kritiker: Oliver Kalkofe. Jahr für Jahr war er dabei und begleitete den unterhaltsamen Irrsinn unter anderem auf Twitter. Doch jetzt hat er sich verabschiedet: „So, genug gelangweilt für heute – bin jetzt erst mal für ein paar Tage raus“, schrieb er am Mittwoch.

So wie dem Erfinder der Mattscheibe geht es vielen: Vergangenen Freitag war die Show noch mit über 6 Millionen Zuschauer gestartet. Doch seitdem scheitert das Dschungelcamp in der Regel an der 5-Millionen-Hürde. Sendungen wie Aktenzeichen XY ziehen an „Ich bin ein Star…“ vorbei. In den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik, weil die Teilnehmerin Daniela Büchner zu stark im Mittelpunkt stehe.

Show auf eine Teilnehmerin ausgerichtet

Da ist was dran. Zwar ist sie nicht die Erste, die tagtäglich in die Prüfungen gewählt wird. Doch so konsequent hat RTL selten die Show auf eine Teilnehmerin ausgerichtet: Daniela muss in die Prüfung. Daniela motzt, weil sie in die Prüfung muss. Daniela verpatzt die Prüfung. Die anderen motzen, weil Daniela die Prüfung versaut. Daniela motzt… Ja. Ist gut. Schon klar. Das ist schon in der Aufzählung öde und nervig. Auf knapp zwei Stunden Sendezeit gequält erst recht.

Zumal andere Teilnehmerinnen, die mehrfach in die Prüfungen mussten, mehr Unterhaltungspotential mitbrachten. Daniela Büchner indes strahlt den Charme einer dieser Sacharbeiterinnen aus, die einem das Arbeiten im Büro verleidet. Die in der Küche Zettel anbringen wie „Geschirr gehört IN die Spülmaschine und nicht obendrauf“ und deren Slogan „Ich will ja nicht meckern, aber…“ lautet.

Aber die Krise ist nicht die Schuld von Daniela Büchner. Das Dschungelcamp hat schon weit weniger unterhaltsame Teilnehmer überlebt. Aus dem restlichen Teilnehmerfeld drängt sich kaum einer auf. Vielleicht noch der sympathische Ex-Boxer Sven Ottke oder Elena Miras, die oft mit Büchner in die Prüfungen muss. Die restliche Crew ist blass, blässer, am blassesten.

Das Produktionsteam hat es aber auch versäumt, die anderen „Stars“ in Szene zu setzen. Frühere Auftaktshows begannen im Hotelpool. Die Teilnehmer kamen dort zusammen, unterhielten sich, auch zettelten sie schon den ersten Streit vom Zaun. So entwickelten sich Storys, die Regie und Schnitt dann in den folgenden Sendungen weiterentwickeln konnten.

Gefloppte Action

Dieses Jahr setzte RTL auf Action. Kann man machen. Aber dann sollte es halt auch Action sein. Dieses mal bot die Produktion zwei Prüfungen an: Einige Teilnehmer mussten über einen wackligen Steg. Zwar konnten sie abrutschen, aber nicht runterfallen. Sodass Spannung dadurch entstehen sollte, dass die Teilnehmer vor jedem einzelnen Schritt lange quäkten, ob sie diesen wirklich machen sollen. Ein Burner.

Doch nur die zweitödeste Nummer des Tages. In der anderen rollte eine Badewanne einen Abhang runter. Langsamer als ein Kinderkarussell. Während dessen mussten die Stars Fragen beantworten. Dann näherte sich das Ende der Schienen. Und dort – Trommelwirbel – blieb die Wanne stehen. Wer so etwas Atemberaubendes einmal erlebt hat, wird beim zweiten Mal lieber auf der Toilette sein oder beim Zahnarzt – halt irgendwo, wo es spannender ist. Und lustiger.

Nun werden also Tag für Tag Kandidaten abgewählt. Wobei der Begriff unpräzise ist. Sie werden nicht abgewählt. Deswegen bleiben die Bösewichte – auch die unbeliebten – erstmal noch eine Zeitlang im Camp. Denn es scheiden die aus, für die zu wenige anrufen. Die Langweiligen.

An den ersten Tagen verteilen sich die Stimmen auf viele Teilnehmer. So reichen auch mal fünf Prozent der Zuschauer aus, um die ersten fünf oder sechs Abstimmungen zu überleben. Fürchten müssen sich die, die nichts zur Dramaturgie beitragen. Und so gesehen wird es jetzt wirklich mal spannend im Camp. Denn von diesen Kandidaten gibt es in dieser Staffel reichlich.

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ beginnt an diesem Freitag, um 22.15 Uhr auf RTL. Der Dschungelkönig wird am Samstag, 25. Januar, gewählt. Die Rechte für das in diesem Beitrag verwendete Bild liegen bei TVNOW.