Symbolfoto: Mario Thurnes
Symbolfoto: Mario Thurnes
Wallerfangen. Franz von Papen hat Adolf Hitler zur Macht verholfen und damit den Grundstein für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust gelegt. Darf  nach einem solchen Mann heute noch eine Straße benannt sein? Mit dieser Frage muss sich in der nächsten Woche das Verwaltungsgericht des Saarlandes befassen.

Ein Mann hat Klage eingereicht. Die „Franz von Papen Straße” in Wallerfangen solle umbenannt werden. Kommunen müsse generell das Recht abgesprochen werden, Straßen nach verurteilten Kriegsverbrechern des NS-Regimes benennen zu dürfen. Auch solle Wallerfangen von Papen die Ehrenbürgerschaft aberkennen. Die Klage steht für Freitag, 9. August, auf der Tagesordnung des Verwaltungsgerichts.
Von Papen war Offizier, war im diplomatischen Dienst tätig und in der Weimarer Republik Abgeordneter der Zentrumspartei. Als Jugendlicher war er ein Page des Kaisers. Auch nach der Abdankung Wilhelm II blieb von Papen Monarchist. 1925 verweigerte er seinem Parteifreund Wilhelm Marx die Unterstützung im Präsidenten-Wahlkampf. Stattdessen unterstützte er Paul von Hindenburg – den einstigen Generalfeldmarschall des Kaisers.

Mehrheit für KPD und NSDAP

In den Krisenjahren 1931 und 1932 stieg die Bedeutung des Reichspräsidenten. NSDAP und KPD hatten eine negative Mehrheit. Das heißt, sie hätten zusammen regieren können, was sie aber aus ideologischen Gründen nicht taten. Es bedeutete aber auch, dass es im Reichstag keine Mehrheit ohne eine dieser beiden radikalen Parteien geben konnte.
In dieser Zeit wurde mit dem Artikel 48 der Verfassung regiert. Der ermöglichte dem Präsidenten, mit Notverordnungen statt Gesetzen zu herrschen. Auch konnte er jederzeit Kanzler ein- oder absetzen. So kam auch am 1. Juni 1932 Franz von Papen ins Amt – ohne über eine parlamentarische Mehrheit zu verfügen.
Er hatte wenig Fortune. Die Ruhe, die er dem Präsidenten versprach, konnte von Papen dem krisengeschüttelten Reich nicht bringen. Sodass Hindenburg im Dezember 1932 von Papen durch dessen einstigen Mentor Kurt von Schleicher ersetzte – wie Hindenburg ein ehemaliger Reichswehrgeneral.
Zuvor hatte von Papen aber einen Flurschaden angerichtet, der eine wichtige Voraussetzung für die totalitäre Herrschaft Hitlers werden sollte: den „Preußenschlag“. Die per Notverfügungen geführte Reichsregierung zerschlug die demokratisch funktionierende, von der SPD geführte preußische Landesregierung. Unter anderem sicherte sich die Reichsregierung so den Zugriff auf die preußische Polizei, die mit Abstand größte des Reichs – ein halbes Jahr später sollte die unter der Führung von Hermann Göring stehen.

“Bis Hitler quietscht”

Die Absetzung nagte an von Papen. Er intrigierte im Umfeld von Hindenburg gegen Schleicher. Dabei half ihm vor allem sein guter Draht zu Präsidentensohn Oskar. Ende Januar ernannte Hindenburg dann Hitler zum Reichskanzler. Das Kabinett war stark monarchisch geprägt – ihm gehörten gerade mal drei Nationalsozialisten an. Ob dieser Konstellation war sich von Papen sicher: „In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass es quietscht.“ Wie das ausging, ist bekannt.
Von Papen wurde Vizekanzler und half als solcher mit, unter anderem mit dem „Ermächtigungsgesetz“, Hitler unbegrenzte Macht zu verschaffen. Die Morde rund um den „Röhm-Putsch“ brachten für von Papen eine Zäsur. Er selbst wurde in der Zeit unter Hausarrest gestellt, zwei seiner engen Mitarbeiter ermordete die SS.
Von Papen trat als Vizekanzler zurück, ging wieder in den diplomatischen Dienst. Über seine Arbeit dort gehen die Meinungen auseinander. Von Papen sah sich als Widerstandskämpfer, der geholfen habe, verfolgten Juden das Leben zu retten. Historiker sehen ihn als Gehilfen Hitlers, der dessen Herrschaft unterstützte, indem er im Ausland für Schönwetter sorgte.

Urteil könnte für Aufsehen sorgen

Im Nürnberger Prozess wurde von Papen freigesprochen. Eine Spruchkammer stufte ihn aber später als „Hauptschuldiger“ ein und verurteilte ihn zu acht Jahren Haft – die ihm früh erlassen wurde. Versuche, auch als Politiker wieder Fuß zu fassen, scheiterten indes.
Begraben liegt von Papen in Wallerfangen. Geboren wurde er in Werl, eine Beziehung zum Saarland stellte er her, als er eine Tochter aus der „Villeroy & Boch“-Dynastie heiratete. Als der Krieg verlorenging, machte von Papen auf seiner Flucht auch Station auf den Ländereien der Familie in Wallerfangen.
Straßenumbenennungen hat es bereits öfters gegeben. So haben Kommunen freiwillig ihre „Hindenburgstraßen“ umgetauft, weil dieser Hitler zum Reichskanzler ernannt hat. Selbst der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck gilt heute einigen als verbrannt, weil eine Linie von Kaiserreich hin zu NS-Verbrechen gesehen wird.
Sollte das Verwaltungsgericht entscheiden, dass Kommunen gezwungen werden können, Straßen nicht nach verurteilten Kriegsverbrechern benennen zu dürfen, würde dies für einiges Aufsehen sorgen.
Seine Heimatstadt Werl hat von Papen während der NS-Zeit auch die Würde des Ehrenbürgers verliehen – und fast direkt nach dem Krieg wieder genommen.