Alwin Theobald vor dem Hintergrund des Staatstheaters. Als Landtagsabgeordneter erlebt er neue Perspektiven. Foto: Mario Thurnes
Alwin Theobald vor dem Hintergrund des Staatstheaters. Als Landtagsabgeordneter erlebt er neue Perspektiven. Foto: Mario Thurnes

Eppelborn. Vor knapp zehn Jahren hat Alwin Theobald (CDU) als Kommunalpolitiker seinen Eppelblog ins Leben gerufen. Auf der Internetseite verknüpft er Buntes mit Politischem, Nachrichtliches mit eigenen Positionen – das Konzept funktioniert: Theobald, der mittlerweile Landtagsabgeordneter ist, ist mit einem Beitrag sogar schon auf 10 000 Abrufe gekommen.

Herr Theobald, Sie verknüpfen in Ihrem Eppelblog private Themen und politische Aussagen. Haben Sie da nie Reaktionen erhalten nach dem Motto: Schöne Fotos, aber lass uns mit Politik in Ruhe?

Eigentlich gar nicht. An den Zugriffszahlen erkenne ich gut, was interessant ist. Und die Leute waren durch die Bank auch an politischen Themen interessiert. Ich stelle zum Beispiel oft vorab ein, was auf der Tagesordnung im Gemeinderat steht. Das klicken immer sehr viele Menschen an.

Und wenn es um die große Politik geht? Mögen es die Leute, wenn Sie sich zum Beispiel zur Debatte um Ursula von der Leyen äußern?

Zu den großen bundespolitischen Themen äußere ich mich eher selten. Aber ich versuche immer, komplexe politische Sachverhalte transparenter zu machen. Gerade indem ich sie lokal runterbreche und zum Beispiel erkläre, was das „Gute-Kita-Gesetz“ konkret für die Gemeinde Eppelborn bedeutet, nämlich sinkende Kita-Beiträge. Dabei machte ich auch Beispielrechnungen für typische Familien. Das wurde dann auch wieder oft gelesen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Internetseite zu machen, die eher einer Nachrichtenseite ähnelt, als einer PR-Seite, wie sie Politiker sonst oft für das eigene Marketing einsetzen?

Eigentlich war das nur ein Zufall. Das Ergebnis eines Versuchs. Meine Frau ist sehr kreativ, sie näht, fotografiert, dekoriert. Und weil es damals sehr viele Kreativblogs gab, bat sie mich, ihr eine Seite zu gestalten weil auch sie ihre Arbeiten im Netz präsentieren wolle. Da ich mir noch unsicher war, wie so etwas eingerichtet sein muss, habe ich erstmal einen eigenen Blog gestartet, um zu probieren. Dabei merkte ich: Schau mal an, das haben sich schon 20 Leser angeschaut. Und die Zahl stieg schnell. Da dachte ich mir, sieh an, es interessiert die Leute, was im Gemeinderat passiert.

Also haben Sie auf diese Themen gesetzt?

Ja. Ich habe immer mehr lokale Themen gebracht, das hat funktioniert. Mittlerweile verzeichnet die Blogstatistik rund 650 000 Seitenaufrufe. Das ist schon beeindruckend für mich. Als ich mit dem Bloggen begonnen habe, hätte ich damit niemals gerechnet.

Im Wahlkampf stiegen die Zugriffszahlen

Ist es kein Konflikt, einerseits zu berichten, andererseits als Vertreter einer Partei auch nicht neutral zu sein?

Im Wahlkampf zur Bürgermeisterwahl 2011, die wir damals knapp verloren haben, habe ich den Eppelblog auch als Mittel im Wahlkampf benutzt. Die Zugriffszahlen sind deutlich gestiegen. Ich denke, die Leute können das gut auseinanderhalten, dass ich einerseits berichte, andererseits aber auch meine Partei vertrete.

Gab es umgekehrt mal den Moment, dass Ihnen jemand aus der CDU gesagt hat: Das entspricht aber jetzt nicht der Linie der Partei, was Du da geschrieben hast?

Nein. Jeder weiß, das ist die Meinung von Alwin Theobald, die da im Blog steht und eben nicht die Position der CDU. Für mich ist das ein ganz gutes Ventil. Ich kann auch mal schreiben, was ich denke, ohne auf die Parteilinie Rücksicht nehmen zu müssen.

Nun sind Sie seit zwei Jahren Abgeordneter im Landtag. Hat das auch den Eppelblog verändert?

Das ist so. Auch weil ich jetzt natürlich ganz andere Erlebnisse habe als noch vor zwei Jahren. So kommen zum Beispiel Fotos von ganz anderen Orten dazu. Andererseits hat sich an der Grundsituation nichts geändert: Ich lebe in Eppelborn und arbeite in Saarbrücken. Das war ja vorher auch schon so.

Als Politiker sind Sie aber auch von der Berichterstattung der Medien abhängig. Reagieren die nicht eifersüchtig, wenn Sie selber einen Informationskanal betreiben?

Die Erfahrung habe ich nicht gemacht. Im Gegenteil. Immer wieder greifen Medien meine Geschichten auf und machen dann etwas Eigenes draus. Als ich etwa vor dem Hintergrund der Wiedereinführung alter Kfz-Kennzeichen mal vorgeschlagen habe – nicht ganz ernst gemeint – dass Eppelborn im Sinne kommunalen Marketings ein eigenes Nummernschild mit „EPP“ statt „NK“ gut gebrauchen könnte, hat das der Saarländische Rundfunk aufgegriffen und in einem eigenen Filmbeitrag verarbeitet.

Diskreter Umgang mit der Familie

Gab es auch mal unschöne Reaktionen? Das Gesprächsklima im Netz ist ja bisweilen rau.

Ich weiß, dass sich manche politisch interessierten Mitbürger schon über den Blog geärgert haben. Aber das ist in einer Demokratie ja auch völlig ok. An den Zugriffszahlen lässt es sich ganz gut ablesen, wenn ein Thema kontroverser ist. Allerdings bekam ich in solchen Fällen durchaus auch schon mal beleidigende Mails anonym zugeschickt. Irgendwann habe ich dann die Kommentarfunktion abgeschaltet. Zwar versuche ich meistens zu diskutieren und zu überzeugen, aber wenn ich merke, es fehlt an der Bereitschaft, sich gegenseitig zuzuhören und stattdessen gibt es nur den Wunsch, den anderen zu beleidigen, dann fehlt eine Grundlage für das Gespräch. Und dann sollte man das auch beenden. Natürlich ist es schöner, wenn man sich austauschen kann.

Halten Sie aus diesem Grund auch die Familie auf dem Eppelblog im Hintergrund?

Der „Human Touch“ hilft zwar. Aber Familie muss auch Familie bleiben. Deswegen veröffentliche ich nicht viel von meinen Kindern – nur Fotos von Aktionen, die wirklich viel Spaß gemacht haben.

Was waren die am häufigsten gelesenen Artikel im Eppelblog?

Ganz vorne liegt witzigerweise ein Urlaubsfoto: Der Schnappschuss eines spektakulären Sonnenuntergangs an der ostfriesischen Nordseeküste wurde rund 10 000 Mal aufgerufen. Aber auch die Nominierung von Andreas Feld als Bürgermeisterkandidat der CDU im vergangenen Jahr, ein Bericht über die heftigen Schäden durch ein Starkregenereignis in Dirmingen sowie ein Beitrag über das leider wieder geschlossene Museum der saarländischen Braukultur in Wiesbach stießen auf eine große Resonanz.