Quelle: Boostyourcity.de

Nachrichten Mainz | In Zeiten von Corona fahren wesentlich weniger Autos auf den Straßen, dennoch zeigen die Messstationen immer noch hohe, schwankende Werte. Wenn man davon ausgeht, was beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) jahrelang erzählte, sollten die Werte eigentlich drastisch gefallen sein. Insbesondere die Dieselmotoren sollen für einen Großteil der Luftschadstoffe verantwortlich sein. Da derzeit weniger Autos auf den Straßen sind, als es beim Dieselfahrverbot der Fall wäre, müsste sich das also deutlich stärker auf die Messwerte auswirken.


Die Parcusstraße gibt Aufschluss

Ein Blick auf die Messdaten des Landesamtes für Umwelt zeigt jedoch, einen dramatischen Wandel hat es nicht gegeben. Zwar fielen die Stickoxidwerte in Mainz und Koblenz zeitweise um bis zu 30 Prozent, doch dauerhaft war das nicht der Fall. Die Mainzer Parcusstraße ist eine der am meist belasteten Stellen in Rheinland-Pfalz. Dort sanken die Stickoxidwerte von Anfang März innerhalb von zwei Wochen von 39 Mikrogramm auf 30 Mikrogramm, doch danach stiegen die Werte wieder.

In der Woche nach dem Lockdown am 13. März verzeichneten die Messstationen in der Parcusstraße 36 Prozent weniger Autoverkehr, doch die Stickoxidwerte stiegen um 13 Prozent auf 45,4 Mikrogramm in dieser Woche.

Verzicht auf das Dieselfahrverbot gefordert

Ende März wurde die Verschiebung des Dieselfahrverbots in Mainz beschlossen (wir berichteten). Doch sowohl die Junge Union Mainz als auch die FDP Mainz fordern einen konsequenten Verzicht auf das Dieselfahrverbot. Mit einer der wichtigsten Gründe hierfür ist, dass die heimische Wirtschaft unter einem solchen Verbot stark leiden würde. Die sowieso schon gebeutelten Geschäfte in der Mainzer Innenstadt würden zahlreiche Kunden aufgrund des Fahrverbots verlieren, was womöglich auf Dauer sogar das Aus für einige Geschäfte bedeuten könnte.

Das Landesamt für Umwelt führt die Schwankungen jedoch in erster Linie auf die Meteorologie zurück. Besonders im Februar und im März sei saubere Luft mit hoher Windgeschwindigkeit aus polaren Regionen hertransportiert worden. In ganz Rheinland-Pfalz sei die Belastung daher geringer gewesen als im Vorjahr zu dieser Zeit.



Extreme Werte in Wiesbaden

Die Werte der Stadt Wiesbaden zeigen deutlich, dass der Verkehr sich nicht maßgeblich auswirkt. Trotz des wesentlich geringeren Verkehrsaufkommens sind die Messerwerte an diesem Freitag im Bereich der Schiersteiner Straße (64 Mikrogramm Stickstoffdioxid), der Ringkirche (74 Mikrogramm Stickstoffdioxid) und Wiesbaden-Süd (72 Mikrogramm Stickstoffdioxid) im roten Bereich. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Die Daten basieren auf den öffentlich zugänglichen Daten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

Zudem berichtete ein Umwelttechniker Boost your City gegenüber, dass die Werte in Mainz unter anderem deshalb so schlecht sind, weil aus Kostheim und Wiesbaden viel verschmutze Luft über den Rhein nach Mainz weht. Der Experte vermutet, dass ein Großteil von den Industriewerken für diese schlechte Luft verantwortlich ist. Der Umwelttechniker führt zur Zeit an verschiedenen Punkten und zu unterschiedlichen Uhrzeiten Messungen durch. Sobald unserer Redaktion die Werte vorliegen, folgen dazu weitere Informationen.

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Stuttgart streicht den Feinstaubalarm

Der Feinstaubalarm der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart ist seit diesem Monat auch vom Tisch. Mit dieser Regelung sorgte die Stadt im Januar 2016 für Aufsehen, denn sobald der Deutsche Wetterdienst für mindestens zwei aufeinanderfolgende Tage ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre vorausgesagt hatte, wurde zum Feinstaubalarm gerufen. An sämtlichen Autobahnschildern leuchteten dann Feinstaubalarm-Hinweise auf, zusammen mit der Bitte, Bus, Bahn oder das Fahrrad zu nutzen.

Die Messungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg hätten die Absurdität des Dieselfahrverbots aufgedeckt, erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer in einer Pressemitteilung. Trotz 40 Prozent Verkehrsrückgang seien sogar teilweise mitten in der Nacht Stickoxid-Spitzenwerte gemessen worden. „Der Diesel kann nicht weiter als Sündenbock für die NO2-Messwerte herhalten“, schloss Pfeiffer daraus, „pauschale Fahrverbote sind keine Lösung. Das sollten jetzt selbst Minister Hermann und die Grünen erkennen.“ In seiner Pressemitteilung bezeichnete er die DUH, die republikweit Gerichtsurteile zugunsten von Dieselfahrverboten erwirkt hatte, als semikriminelle Organisation. Auch weitere Politiker fordern bereits die Abschaffung des Dieselfahrverbots in Stuttgart.



Keine Dieselfahrverbote in Oldenburg

Währenddessen teilt die Stadt Oldenburg mit, dass es dort keine Dieselfahrverbote geben wird. Die DUH habe erklärt, dass ihre Klage „aufgrund nachträglich eingetretener Umstände nicht mehr begründet“ sei, teilte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg der Stadt Oldenburg mit.

Grenzwertüberschreitungen des Luftschadstoffs Stickstoffdioxid hatten die DUH seinerzeit dazu bewogen, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in der Stadt Oldenburg gerichtlich durchzusetzen und ihr die Fortschreibung des Luftreinhalteplans in diesem Sinne vorgeben zu lassen. „Wir haben jetzt die notwendige Klarheit bekommen, wirklich überraschend ist das Ergebnis nach der Entwicklung der Messwerte nicht mehr. Es hat sich ausgezahlt, dass wir von Beginn auf Fahrverbote verzichtet und stattdessen eine Vielzahl anderer Maßnahmen umgesetzt haben“, sagt Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) dazu.

Eine Zigarette oder eine Stunde Dieselmotor ohne Filter

Die Autos selbst werden seit mehr als zehn Jahren nach immer weiter verschärften Emissionswerten deutlich sauberer. Teure Abgasreinigungsanlagen unter den Wagenböden sorgen dafür, dass nur noch sehr wenig Stickoxide oder wie beim Diesel so gut wie keine Rußpartikel mehr aus dem Auspuff kommen. Laut einer Berechnung italienischer Forscher erzeugt das Rauchen einer einzigen Zigarette so viel Feinstaub, wie ein Dieselmotor ohne Filter, der eineinhalb Stunden läuft. Doch die Grenzwerte werden schneller heruntergesetzt, als die Autos sauberer werden. So entsteht der trügerische Eindruck, dass die Luft wegen der Autos permanent schlechter wird.