Symbolfoto Schutzmasken

602 Menschen sind nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts derzeit im Zusammenhang mit Corona in Intensivbehandlung. Angesichts einer Zahl von über 30 000 Notfallbetten, die es deutschlandweit gibt, mag diese Zahl nicht beunruhigen. Doch das Problem ist der Wachstum. Wie so oft in der Pandemie.

532 Menschen waren vor drei Tagen in Intensivbehandlung. 70 sind innerhalb von drei Tagen dazu gekommen. Das entspricht einem Wachstum von 13 Prozent. Noch sind die totalen Zahlen keine Herausforderung für die Krankenhäuser. Doch das Wachstum birgt Gefahren.

10 000 Notfallpatienten an Weihnachten

Bleibt das Wachstum über Wochen so, hätten wir um den 8. Dezember rund 5300 Notfallpatienten im Zusammenhang mit Corona. Heute sind 602 Fälle die totale Zahl. Ändern sich die Wachstumsraten nicht, wären 602 Fälle der Wachstum innerhalb von weniger als drei Tagen.

4600 Fälle Zunahme bis zum 8. Dezember. Für Hartgesottene mag sich das immer noch nicht beunruhigend anhören. Doch bliebe es bei den 13 Prozent Wachstum, dann kommen die nächsten 4600 Fälle innerhalb von zwei Wochen dazu. Und an Weihnachten wären über 10 000 Menschen im Zusammenhang mit Corona in Intensivbehandlung.

Das nennt sich exponentielles Wachstum. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Wachstum erfolgt nicht in gleichmäßigen Schritten, sondern in immer weiter auseinander gehenden Schritten. Und mit jedem Schritt, wird der nächste Schritt nochmal um einen gewissen Faktor größer.

Engpass Gesundheitsämter

Wobei die Krankenhäuser in der Pandemie nur ein Engpass sind. Der andere sind die Gesundheitsämter in den Städten und Kreisen. Diese sind teilweise jetzt schon an der Belastungsgrenze, wie Dietmar Hoffmann, Leiter des Gesundheitsamtes Mainz, mitgeteilt hat.

Die Gesundheitsämter verfolgen die Kontakte derer, die neu als Infizierte gemeldet werden. Diese Verfolgung dient dem Zweck, dass sich der Virus nicht unkontrolliert ausbreitet. Kommen die Ämter nicht mehr nach, verliert der Staat die Kontrolle über die Lage. Dann werden Ansammlungen von Menschen noch riskanter.

Die Gesundheitsämter sind in den vergangenen Jahren zusammen gespart worden. In der Logik, dass sich Gesundheitseinrichtungen finanziell tragen müssen, war eine Verwaltung ideologisch nur noch ein Kostenfaktor. Zwar sagen die verantwortlichen Minister nun, die Ämter aufstocken zu wollen. Doch so einfach ist das nicht – angesichts des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen.

Um die Gesundheitsämter zu entlasten, müsste die Zahl der Infektionen zurückgehen oder wenigstens stagnieren. Doch das ist nicht der Fall. Das Robert-Koch-Institut meldet für diesen Donnerstag weit über 6000 Neuinfizierungen. Auch hier wachsen die Zahlen exponentiell.