Symbolbild

Der Caritas-Präsident Peter Neher äußerte sich zu dem aktuellen Flüchtlingsstrom aus der Türkei. Der türkische Präsident Erdogan hatte die Grenzen nach Griechenland und Bulgarien geöffnet. Aktuell sind nach Angaben der Türkei über 100.000 Flüchtlinge auf dem Weg in die EU. Griechenland versucht die Einreise zu unterbinden und setzt auch das Militär dafür ein.


Peter Neher fordert eine schnelle Lösung

Es ist dringend notwendig, auf den Routen zur Grenze und an der Grenze selbst, wo sich zunehmend viele Menschen sammeln, Hilfe in Form von Lebensmitteln, Unterkunft und gesundheitlicher Versorgung zu leisten. Das gebietet die Humanität. Dabei brauchen Griechenland und Bulgarien alle Unterstützung ihrer europäischen Partner.

„Die Szenen, die sich insbesondere an der türkisch-griechischen Grenze abspielen, sind dramatisch. Bei allen diplomatisch-politischen Überlegungen tritt völlig in den Hintergrund, dass es sich hier um Menschen handelt“, so der Caritas-Präsident. „Diese Menschen mussten alles zurücklassen und harren jetzt in der Kälte aus, werden mit Tränengas abgewehrt und wissen einfach nicht weiter. Ihre Instrumentalisierung durch die türkische Führung verurteilen wir aufs Schärfste. Der zunehmenden Entmenschlichung von Flüchtlingen muss Einhalt geboten werden.“

Caritas wird verstärkt in Griechenland tätig sein

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, wird angesichts der neuen Situation seine Arbeit insbesondere auf den Inseln Lesbos und Chios weiter verstärken und ausbauen. Dorthin werden vermehrt Menschen kommen und damit den bestehenden Druck auf den Inseln weiter erhöhen. Vor allem diese Neuankömmlinge müssen schnell versorgt werden. „Die offiziellen Camps können diese Aufgabe schon lange nicht mehr nachkommen“, sagt der Caritas-Präsident. Sie sind bereits um das bis zu zehnfache überbelegt. Der Hilfebedarf ist bereits jetzt enorm und wird weiter steigen, da dort jegliche Infrastruktur fehlt. Caritas international kümmert sich auf den Inseln Lesbos und Chios vor allem um die psychologische Betreuung der Menschen, gibt rechtliche Beratungen und organisiert medizinische Hilfe.

Gemeinsame Lösung der EU-Länder

„Die EU-Länder müssen mit Hochdruck unter anderem mit der Türkei an einer Lösung arbeiten, die es den Menschen erlaubt, in der Nähe ihrer Heimatregion zu bleiben. Außerdem müssen sich die EU-Länder, die dazu bereit sind, zur Aufnahme von Geflüchteten verpflichten – denn es sieht bedauerlicherweise nicht danach aus, als würde es die so lange ersehnte gesamteuropäische Lösung für eine Verteilung der Geflüchteten in der EU geben“, so Neher weiter. Vor allem die besonders schutzbedürftigen Menschen, allen voran die Kinder, müssen aufgenommen werden. „In Deutschland gibt es viele Kommunen und Organisationen, die sich zur Aufnahme geflüchteter Menschen bereit erklärt haben.“