Frankfurt am Main | Von den Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind auch Taxifahrer stark betroffen. Durch die strengen Auflagen bricht ein Großteil der Einnahmen weg. Boost your City sprach am Sonntag (24.01.2021) gegen 15:00 Uhr am Frankfurter Flughafen mit Taxifahrern am Terminal 1 über das Thema Corona, die Schwierigkeiten und die Auswirkungen auf ihren Job.


 

Stundenlange Wartezeiten für eine Fahrt

Aleks ist 34 Jahre alt und arbeitet bereits seit zehn Jahren als selbstständiger Taxifahrer. Er hat keine Angestellten, fährt mit seinem eigenen Taxi und hat keine festen Arbeitszeiten vorgeschrieben. Aleks hat seinen Dienst am vergangenen Sonntag um 4:00 Uhr begonnen, er hatte sich entschieden bis 15:45 Uhr zu arbeiten. Seit 5:00 Uhr stand er am Frankfurter Flughafen am Halteplatz vor der Ladestraße und wartete, bis er seine ersten Gäste zu ihrem gewünschten Ziel fahren konnte. Als wir mit Aleks sprachen, war es 14:30 Uhr und er erzählte uns, dass er in den neuneinhalb Arbeitsstunden noch keinen einzigen Fahrgast befördert hatte. Er hatte lediglich am Halteplatz für die Ladestraße gewartet. Vor der Corona-Pandemie dauerte die Wartezeit gerade einmal eine Stunde.

BYC-News vor Ort: Taxifahrer am Flughafen Frankfurt in der Corona-Pandemie
BYC-News vor Ort: Taxifahrer am Flughafen Frankfurt in der Corona-Pandemie

50 Euro pro Schicht ist die bittere Realität

Vor der Corona-Pandemie erzielte er mit seiner Arbeit an einem Sonntag rund 150 bis 200 Euro. Aktuell ist er schon mit 50 Euro an einem Sonntag zufrieden, doch selbst für dieses niedrige Ziel sieht er schwarz. Zur Zeit beträgt der Preis für die meisten Fahrten vom Flughafen zum Ziel nämlich nur rund acht bis zehn Euro, was verhältnismäßig wenig ist. Jedoch stehen noch neun Taxen vor ihm, bis er durch die Schranke zur Ladestraße fahren und seine Gäste einsteigen lassen kann. 

Aktuell ist es wegen Corona und dem anhaltenden Lockdown ziemlich schwierig als Taxifahrer am Flughafen in Frankfurt Kasse zu machen, erzählt Aleks. Die Geschäftsleute fehlen, denn durch den Lockdown arbeiten viele Menschen zurzeit im Home-Office. Dazu fehlen die Urlauber, weil nur wenige Menschen aus touristischen Gründen während der Pandemie reisen.

BYC-News vor Ort: Taxifahrer am Flughafen Frankfurt in der Corona-Pandemie
BYC-News vor Ort: Taxifahrer am Flughafen Frankfurt in der Corona-Pandemie

Staatliche Hilfen werden kaum genehmigt

Während wir mit Aleks sprachen, kam Ibo vorbei. Ibo ist Anfang 40 und seit 15 Jahren als Taxifahrer bei einem Taxiunternehmen angestellt. Auch er klagte über den 80- bis 90 prozentigen Rückgang an Fahrgästen. Er sagte uns, dass es im Frankfurter Stadtgebiet mit dem Umsatz auch nicht gerade besser ist. In zwölf Stunden habe er maximal zwei Fahrten zu zehn bis 15 Euro, da sei die nächste Pleitewelle vorprogrammiert. Er berichtete, dass sehr viele seiner Kollegen keine oder nur sehr wenig staatliche Hilfe bekommen haben.

Strenge Coronakontrollen am Taxihalteplatz

Dazu erzählte Ibo, dass es am Flughafen selbst beim Warten nicht leicht sei. Die Polizei fahre sehr oft vorbei und kontrolliere die Abstandsregeln. Es gäbe tatsächlich Kollegen, die trotz Einhaltung der Masken- und Abstandsregelungen von den Polizeibeamten belehrt und bestraft wurden (Regelsatz von 200 Euro “Zusammenkünfte und Ansammlungen in der Öffentlichkeit von mehr als zwei Personen”). Am besten sei es, man bleibe die kompletten zwölf Stunden im Taxi sitzen und warte, bis man zur Ladespur fahren könne.

BYC-News vor Ort: Taxifahrer am Flughafen Frankfurt in der Corona-Pandemie
BYC-News vor Ort: Taxifahrer am Flughafen Frankfurt in der Corona-Pandemie

Einige Fahrgäste sind nicht einsichtig

Zu allem Überfluss gäbe es auch noch die uneinsichtigen Fahrgäste, die im Taxi die Maske nicht tragen wollen, oder zu viert ein Taxi nehmen wollen. Jedoch ist es nur mit einem Großraumtaxi möglich, vier Fahrgäste zur gleichen Zeit zu transportieren. 

Der Regelkatalog zu Corona sieht für Taxifahrer vor: 

  • Zahl der Fahrgäste in Taxen begrenzen  
  • Der Beifahrersitz ist für Fahrgäste tabu 
  • Alleinige Fahrgäste sollen möglichst hinten rechts platziert werden 
  • Mund-Nasen-Schutz muss während der kompletten Fahrt getragen werden
  • Die Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrgast soll auf das Wesentliche beschränkt werden 
  • Die Fahrt soll möglichst bargeldlos bezahlt werden. Das Kartenterminal muss regelmäßig desinfiziert werden 
  • Um Missverständnisse zu vermeiden, sollen Schutzmaßnahmen per Aushang oder Flugblatt kommuniziert werden 
  • Nach jedem Fahrgast soll das Taxi gelüftet und desinfiziert werden 
  • Trennwand zwischen Fahrer- und Fahrgastraum (Splitterfest)

Uber und Free now machen Taxifahrern das Leben schwer

Jedoch ist laut Aleks und Ibo nicht nur Corona an der Taxikrise am Flughafen Frankfurt schuld, es gibt auch die Sorgenkinder Uber, und Free now. Beide Unternehmen machen es den 1800 konzessionierten Taxifahrern in Frankfurt nicht leicht und sorgen für ordentlich Konkurrenz.

Uber bietet in vielen Städten der Welt Online-Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung an. Free Now, ehemals myTaxi, ist seit 2009 einer der führenden Mobilitätsanbieter Europas, die eine direkte Verbindung zwischen Taxifahrer und Kunden herstellt. Obwohl Uber und Free Now aufgrund ihrer Angebote in direkter Konkurrenz zu Taxis stehen, sind Uber und Free Now keine reine Taxi-App. Das liegt erstens daran, dass die Uber- und Free Now- Fahrer (in den meisten Fällen) keine Taxifahrer sind und in ihren Privatwagen oder in Mietwagen unterwegs sind, demnach nicht unter die strengen Regeln von Taxi-Vorschriften fallen.

Die Situation sollte entschärft werden

Aleks und Ibo sind sich einig: Um die Situation zu entschärfen und im Taxigewerbe wieder Fuß zu fassen, sollte ein schnelles Ende der Corona-Pandemie eingeläutet werden. Sie hätten gerne, dass sich alle Menschen an die vorgegebenen Vorschriften halten und auf sich und andere achten, damit die Pandemie schnellstmöglich vorübergeht.

Zudem sollte das Frankfurter Ordnungsamt die Fahrer und Umstände von Uber und Free Now genauer unter die Lupe nehmen, um dort dann einen fairen Konkurrenzkampf anzustreben.