Will, dass ein Wumms durch Deutschland geht, Bundeskanzlerin Angela Merkel | Foto: CDU

Die Maßnahmen gegen die Corona-Krise werden gelockert. Unter anderem kann die Bundesliga wieder in der zweiten Mai-Hälfte spielen. Die Kanzlerin, die einen langsameren Weg wollte, bemüht sich um Gesichtswahrung. Und die gelingt ihr in einem wesentlichen Punkt.

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Die Lockerungen sind eigentlich das, auf das die Menschen warten. Denn sie wirken sich auf ihren Alltag aus. Doch in Merkels Auftritt auf der Pressekonferenz, die sie nach der Beratung mit den Ministerpräsidenten hält, ist es der letzte Punkt, den sie vorstellt. Und sie nuschelt ihn auch nur unwillig weg.

Den Satz, dass die Erste und Zweite Bundesliga ab der zweiten Mai-Hälfte wieder öffnen dürfen, verkündet sie so beiläufig wie Schabowski einst den Mauerfall. Details wie die Tatsache, dass die Spieler vor dem Neustart erst in eine zweiwöchige Quarantäne müssen, wissen nur die Journalisten, die vor der Pressekonferenz die entsprechenden Konzepte gelesen haben.

Die Öffnungen seien Ländersache, sagt Merkel. Und würden folglich im Einzelnen von diesen vorgestellt. Das ist Programm. Denn bei den Öffnungen haben die Länder Merkel überrannt. Sie hatte eigentlich einen deutlich langsameren Kurs gewollt. Die Ministerpräsidenten hatten sie dabei so stark düpiert, dass Medien von einem Machtverlust der Kanzlerin sprachen.

Zurück zu alter Stärke

Umso wichtiger war es für Merkel, am Tag nach dem Rebellions-Dienstag Stärke zu zeigen. Also betont sie auf der Pressekonferenz, welche Maßnahme ihr wichtig gewesen sei: Ein Notfallmechanismus.

Der sieht wie folgt aus: Wenn in einer Stadt oder einem Kreis innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 neue Infizierungen pro 100 000 Einwohner gemeldet werden, dann muss diese Kommune zu den Maßnahmen zurückkehren, die vor dem 20. April gegolten haben. Sollten die Infizierungen alle oder im wesentlichen an einer Stätte – zum Beispiel einem Altenheim – gemeldet werden, kann es genügen, eine Quarantäne über dieses Heim zu verhängen. Diese Sondermaßnahmen werden erst aufgehoben, wenn mehr als sieben Tage am Stück die Zahl der neuen Infektionen nicht 50 pro 100 000 Einwohner überschreitet.

Momentan gibt es in Deutschland nur einen Landkreis, der diese Obergrenze überschreitet. Doch das könne sich schnell ändern, womit Merkel daran erinnert, dass sie grundsätzlich skeptischer ist als die Länderchefs: Zwar habe Deutschland das Ziel erreicht, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Aber: „Wir haben die allererste Phase der Pandemie hinter uns. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass wir damit immer noch am Anfang der Pandemie sind“, wie Merkel sagt.



Kontaktbeschränkungen bis 5. Juni

Um den Eindruck zu vermeiden, in ihrer Abwehr überrollt worden zu sein, legt Merkel auch Wert drauf, dass die Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juni gelten. Grundsätzlich. Doch zum einen werden die Beschränkungen gelockert. Bisher durften sich nur Menschen aus einem Haushalt gemeinsam draußen aufhalten, höchstens durfte eine Person dazu kommen. Jetzt sollen zwei Haushalte sich wieder öffentlich treffen dürfen. Es bleibe aber „eine ganz klare Beschränkung der Kontakte“, wie Merkel betont.

Zum anderen dürfte die Umsetzung eine „riesige Herausforderung“ werden, wie es Merkel zum Beispiel für Kneipen und Restaurants beschreibt: Die dürfen bald wieder öffnen, haben die Länder schon vor dem Mittwoch angekündigt. Allerdings gilt dort ein Hygienekonzept, zu dem der Mindestabstand von anderthalb Meter gilt.

Macht ein Ordnungsamt eine Kontrolle in einem Restaurant muss es überprüfen: Sitzen mehr als zwei Personen an einem Tisch? Gehören die Personen zwei oder mehreren Haushalten an? Falls sie nicht einem oder zwei Haushalten angehören, halten sie dann genug Abstand voneinander?

Nachdem er am Dienstag vorpreschte und damit Merkel düpierte, zeigte sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch wieder staatstragend: Zwar gebe es ein leichtes Aufatmen: Aber die Gefahr bleibe so lange, wie es keinen Impf- oder Wirkstoff gebe. „Deshalb brauchen wir weiter eine Grundlinie.“

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