Kultusminister Ulrich Commerçon mit dem Brüderpaar Reding und Wandergesellinnen, Foto: Ministerium für Bildung für Kultur.

Saarbrücken. Schubert hat rührende Lieder über sie geschrieben. Fotografen wie August Sander oder Otto Umbehr haben sie ins richtige Licht gesetzt. Es gibt kaum einen anderen Berufsstand, der so die Phantasie der Menschen beflügelt wie Handwerks-Gesellen auf der Walz. Ihnen wird nun eine Foto-Ausstellung im Pingusson-Gebäude gewidmet, die Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) am Freitag eröffnet hat.

Wer früher im Handwerk Meister werden wollte, musste auf die Walz. Die Gesellen sollten auf Wanderung gehen, andere Arbeitstechniken kennenlernen – aber auch andere Menschen und Gewohnheiten, um so zu reifen. Die Praxis kam im späten Mittelalter auf und war bis zur Industrialisierung üblich.

Die Quellenlage zur Walz ist nicht gut. Anders der Ruf der Wanderschaft. Sie ist so beliebt, dass sich immer noch ungezählte Gesellen aufmachen, um Länder und Arbeitspraxen kennenzulernen – obwohl das längst nicht mehr vorgeschrieben ist.

Diesem Leben zwischen der Sehnsucht nach Neuem und dem harten Alltag eines Lebens unterwegs haben nun die Autoren und Filmemacher Benjamin und Dominik Reding die Ausstellung „Kluft & Haut / Porträts junger Menschen auf der Walz“ gewidmet. Die Brüder haben dafür 40 großformatige Fotografien erstellt.

„Die Ausstellung überrascht”, so Kulturminister Ulrich Commerçon bei der Eröffnung. Das Thema der Wanderschaft werde weder historisch noch ethnologisch aufgearbeitet, sondern der Mensch werde in den Mittelpunkt gerückt: “Tradierte Denkmuster werden aufgebrochen, weil das Porträtpaar einmal auf die für Wandergesellinnen und Wandergesellen typische Kluft verzichtet. Beide Male sind die Porträtierten selbstbewusst, authentisch und mit klarem Blick festgehalten.” Fernab von Instagram-Filtern, fernab von Photoshop zeigten sich hier junge Menschen, die auf sich, ihren Beruf und ihre Traditionen stolz sind. “Das ist erfrischend.“

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 9. August, um 19 Uhr – sie bleibt bis zum Samstag, 31. August, im Pingusson-Gebäude in der Hohenzollernstraße 60 zu sehen. Der Eintritt ist frei.