Saarbrücken. Jobs, in denen jemand gänzlich ohne Computerkenntnisse auskommt, sterben aus. Gleichzeitig brauchen die Betriebe in Zeiten des Fachkräftemangels jeden gut Qualifizierten. Weiterbildung wäre demnach ein wichtiges Mittel. Doch nun schlägt die Arbeitskammer Alarm: „Die betriebliche Weiterbildung kommt im Saarland viel zu kurz.“

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„Die saarländischen Betriebe und Dienststellen sind von einer vorausschauenden und systematischen Weiterbildungsstrategie noch weit entfernt“, sagt Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer. Das sei ein Ergebnis des Betriebsbarometers, den die saarländische Kammer jedes Jahr erstellt. Zu diesem Zweck befragt die Kammer Personal- und Betriebsräte. Otto mahnt mit Blick auf das Betriebsbarometer: Es sei auch Sache der Personal- und Betriebsräte, sich bei dem Thema einzumischen. Betriebsbarometer 2019

Das Problem beginnt laut Betriebsbarometer ganz am Anfang des Prozesses: Nur jeder vierte Betrieb geht systematisch der Frage nach, welcher Mitarbeiter welchen Bedarf an Fortbildung hat. Besonders die An- und Ungelernten trifft das hart: „In 73 Prozent  der befragten Betriebe gibt es für diese Gruppe selten oder so gut wie nie Weiterbildung“, wie die Arbeitskammer mitteilt.  Außerdem habe nur etwas mehr als die Hälfte überhaupt einen Etat für Weiterbildung. Die gute Nachricht: Wenn ein Mitarbeiter sich weiterbildet, tragen vier von fünf Unternehmen die Kosten dafür.

Die Kammer hat auch die Berufe in der Pflegebranche  gesondert ausgewertet. Hier sei die Situation nach Aussage der Betriebsräte besonders dramatisch: „In keiner anderen Branche sind die Belastungen durch Zeitnot, Stress, emotionale Beanspruchungen und körperliche Belastungen so hoch wie in der Pflege“, teilt die Kammer mit. Ebenfalls branchenweit am höchsten seien entsprechend der Krankenstand und die Schwierigkeit, offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen: „Das Zusammenwirken von zu wenig Personal, permanentem Zeitdruck und hohem Krankenstand ist ein sich selbst verstärkender negativer Kreislauf“, sagt Otto.

Es sind aus Sicht der Kammer die äußeren Umstände, die Betriebe davon abhalten, das nötige in die Weiterbildung zu stecken – etwa der hohe Preis- und Kostendruck. Auch sei die Personaldecke häufig zu dünn. Ein Teufelskreis: Denn gerade das erhöht den Bedarf an Weiterbildung.