Bereitschaftspraxis Ingelheim am Rhein | Foto: Boost your City

Nachrichten Ingelheim | An diesem Samstag verweigerte der diensthabende Arzt der Bereitschaftspraxis Ingelheim eine medizinische Untersuchung aufgrund der Corona-Pandemie. Trotz mehrfacher Anfragen durch die Patientin und auch Boost your City kam es zu der Absage der medizinischen Versorgung durch die Bereitschaftspraxis in Ingelheim.

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Arztbesuch während Corona nicht einfach

Bereits vor einigen Tagen kam es bei einer 35-Jährigen aus Ingelheim zu Hustenreiz und Verschleimung der Atemwege. Sie kontaktierte Ihren Hausarzt und schilderte, dass sie etwas gegen den Hustenreiz benötigen würde und gerne zur Untersuchung in die Praxis kommen würde. Der Hausarzt teilte mit, dass er ohne vorherigen Coronatest bei einem Institut keine Untersuchung durchführen kann. Den Labortest solle sie doch bitte bei einem Unternehmen wie Bioscentia Ingelheim durchführen lassen. Der Termin wäre kommenden Montag gewesen.

„Da kann ich ihnen auch nicht helfen“

Am frühen Samstag wurden die Beschwerden bei der 35-jährigen Frau aus Ingelheim stärker. Es kam zur Atemnot und der Husten wurde stärker. Sonstige Symptome, wie Fieber oder Übelkeit, die auf eine Coronainfektion hinweisen könnten gab es nicht. Die Frau entschied sich gegen mittag bei der Bereitschaftspraxis Ingelheim anzurufen, um sich dort endlich untersuchen zu lassen.

Unter der Rufnummer 06132-19292 der Bereitschaftspraxis Ingelheim nahm Frau V. gegen 12:05 Uhr den Anruf der Patientin an. Die 35-Jährige schilderte der Dame am Telefon ihre Symptome und wurde daraufhin sehr schnell für eine Untersuchung abgelehnt. Sie solle am Montag zum Hausarzt gehen und dort einen Coronatest machen lassen oder sich zur Bioscentia überweisen lassen, um dort einen Abstrich machen zu lassen. Die Bereitschaftspraxis dürfe keine Patienten mit Husten behandeln oder untersuchen. Auf erneute Anfrage was sie denn nun tun soll wegen ihrem starken Husten und der Atemnot wurde ihr dann von Frau V. am Telefon mitgeteilt: „Da kann ich ihnen auch nicht helfen“.



Unsere Redaktion schaltet sich ein

Die Boost your City Redaktion schaltete sich gegen 12:50 Uhr ein und rief mehrfach bei der Bereitschaftspraxis Ingelheim an. Nach dem vierten Versuch ging gegen 13:05 Uhr Frau V. von der Bereitschaftspraxis ans Telefon. Sie wurde zu dem Vorfall befragt und darauf hingewiesen, dass die Bereitschaftspraxis nach Auskunft des Rettungsdienstes sowie der Notaufnahme der Klinik Ingelheim und der Universitätsmedizin Mainz verpflichtet sei, die Patientin zu untersuchen. Boost your City hatte sich zuvor bei den medizinischen Einrichtungen informiert und den Fall geschildert.

Die Dame am Telefon wirkte während des Anrufs durch unsere Redaktion sehr nervös und teilte mit, dass sie den diensthabenden Arzt der Praxis informieren wird und dieser uns innerhalb der nächsten 10 Minuten zurückrufen würde. Gegen 13:20 Uhr rief der Arzt Herr E. zurück und teilte auch gegenüber unserer Redaktion mit, dass er die Patientin nicht untersuchen werde, auch wenn keine Corona-Symptome vorhanden sind. Auf die erneute Frage, ob er die Behandlung hiermit strikt ablehnt, legte der Arzt mitten im Gespräch einfach auf und war auch nach erneutem Anruf in der Bereitschaftspraxis nicht mehr zu sprechen.

Notaufnahme des Krankenhaus Ingelheim handelte sofort

Bereits nach der ersten telefonischen Ablehnung der Bereitschaftspraxis setzte die 35-Jährige sich mit der Notaufnahme des Krankenhaus Ingelheim in Verbindung. Dort wurde sie direkt mit dem diensthabenden Internisten der Ambulanz verbunden. Dieser fragte ihre Symptome ab und erklärte ihr, dass für diesen Fall die Bereitschaftspraxis zuständig wäre und alle medizinischen Einrichtungen mit der nötigen Schutzausrüstung ausgestattet sind und keine Patienten abweisen dürfen. Nach seiner ersten Einschätzung würde aber kein Verdacht auf eine Covid-Infektion vorliegen. Es würde ihr aber jederzeit frei stehen, bei Nichtbehandlung die Notaufnahme aufzusuchen. Dort würde Sie auf keinen Fall abgewiesen werden.

Da die Bereitschaftspraxis die Behandlung ablehnte, fuhr die Frau in das Krankenhaus Ingelheim und wurde direkt in die Notaufnahme geschickt. Dort wurde Sie innerhalb kürzester Zeit untersucht und es wurde auch ein Abstrich für einen Coronatest gemacht. Weiterhin wurde ihr Blut entnommen, Lunge und Herz untersucht und ihr eine Inhalation zur Beruhigung der Bronchien verabreicht. Nach den Untersuchungen und den Laborergebnissen konnte der Arzt eine momentane Coronainfektion und auch anderweitige ansteckende Krankheiten ausschließen und entließ die Frau mit entsprechenden Behandlungshinweisen nach Hause und zur weiteren Behandlung an den Hausarzt.



Coronatest im Krankenhaus darf nicht ins Labor zur Auswertung

Da die 35-Jährige nicht stationär aufgenommen wurde, durfte der durchgeführte Coronatest nicht ins Labor geschickt werden. Diese Kosten werden nur von der Krankenkasse übernommen, wenn Patienten auch stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Um endgültige Gewissheit zu haben, wurde sie darum gebeten, am Montag beim Hausarzt oder bei Bioscentia Ingelheim einen Corontatest machen zu lassen.

Der Arzt der Notaufnahme teilte der Patientin nach Abschluss der Behandlung mit, dass für solche Fälle die Bereitschaftspraxis die richtige Anlaufstelle sei, da die Notaufnahme für schwerwiegendere Fälle freigehalten werden müsse. Der Frau war es unangenehm, die Notaufnahme in Anspruch genommen zu haben, aber sie sah keine andere Möglichkeit, da es ihr zu diesem Zeitpunkt wirklich schlecht ging und es keine andere Behandlungsmöglichkeit für sie gab.

Nicht der erste Fall in der Bereitschaftspraxis Ingelheim

Die Bereitschaftspraxis Ingelheim ist in den letzten Wochen durch mehrere Fälle negativ aufgefallen. Diverse Unterlagen liegen unserer Redaktion vor. Ein entsprechender Fragenkatalog an die Kassenärztliche Vereinigung wurde noch am selben Tag durch unsere Redaktion gestellt. Weitere Informationen folgen.

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