Foto: Guido Strauss | automedien.de

Der Jeep Wrangler Sahara 2.2 Unlimited und der Range Rover Sport SDV6 könnten unterschiedlicher kaum sein. Doch wenn es um Fahrspaß abseits der Straße geht haben sie mehr gemeinsam als man glaubt…

Vergleichtests sind oftmals ein zweischneidiges Schwert. Bei zwei Fahrzeugen gibt es wohl oder übel fast immer einen Sieger und einen Verlierer. Auch wenn sich manchmal nur eine minimale Punktdifferenz ergibt.

Vergleich mit Äpfel und Birnen

Wir wollen das Thema heute einmal anders angehen, denn bei dem Range Rover Sport und dem Jeep Wrangler Unlimited ist es wie bei dem berühmten Äpfel-Birnen-Vergleich. Das beginnt bei der Leistung, 306 PS holte der Range Rover aus seinem 3-Liter-V6 Diesel,  200 PS bietet der 2.2-Liter-Vierzylinder Selbstzünder im Jeep. Dann ist da noch der Preisunterschied: Der Engländer steht als SDV6 ab 84.300,- Euro in der Liste, die Amis bieten ihren Wrangler Sahara 2.2 Unlimited ab 56.000,- Euro an. Beide erfüllen selbstverständlich die neue 6d-Temp-Abgasnorm

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Sehen wir einmal davon ab, dass der Brite sein Hauptaugenmerk auf Luxus und der Nordstaatler aus Toledo/Ohio seines auf klassisch rustikales Allroundtalent legen, so ist der gewünschte Zweck doch bei beiden gleich: Die Passagiere auf jedmöglichem Untergrund sicher ans Ziel zu bringen. Auf aspahltierten Wegen gilt das als selbstverständlich, aber wie siehts aus im Gelände?

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Die  Marke Jeep hat bekanntlich eine über 30 Jahre längere Historie als der Range Rover. Bis ins Jahr 1940 reichen seine Wurzeln, der „Willys“ wurde als Miltärfahrzeug für den 2. Weltkrieg konzipiert. Den ersten echten Range Rover brachte der Mutterkonzern Land Rover hingegen im Jahre 1970 auf den Markt. Schon damals galt er als Vorbild für die neue Gattung von luxuriösen Offroader.

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Zurück ins Gelände: Beide verfügen über 4WD-Antrieb und eine 8-Gang-Automatik. Im Jeep kommt der als Selec-Trac bezeichnete Automatik-Allrad zum Einsatz. Der schaltet wie bei modernen SUV den Vorderradantrieb je nach Bedarf selbstständig hinzu. Außerdem gibt es eine weitere Schaltstellung für den „Part-Time“-Allrad mit fest vorgegebener 50:50-Kraftverteilung sowie, natürlich, eine Geländestufe. Gerade auf losem Untergrund spürt man, wie sich in Sekundenbruchteilen bei leichtem Schlupf im Heck die Vorderachse dazu gesellt.

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Seine Variante des permanenten Allradantriebs im Range Rover spendiert dem Premium-SUV die Dynamik eines heckangetrie­benen Fahrzeugs, ohne dass es seine Geländeeigenschaften einbüßt. Hier arbeitet ein einstufiges Verteilergetriebe mit Torsendifferenzial und verteilt die Antriebskraft standardmäßig im Verhält­nis 42:58 auf Vorder- und Hinterräder. Mithilfe des Torsendifferenzials kann die Kraftübertragung je nach Haftung von 62 Prozent vorn bis 78 Prozent hinten variiert werden.

Bei Beiden kommt in keinem Moment das Gefühl auf, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Der Jeep gibt den Untergrund etwas weniger gefühlvoll an seine Insassen weiter als sein Kollege, der überLuftfederung und das sogenannten Dynamic-Response-System verfügt, das die Wankbewegungen der Karosserie unterdrückt. Hier kommen die unterschiedlichen Charakteristika der beiden am Besten zur Geltung. Und machen auch die Preisdifferenz plausibel.

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Der Jeep bietet eine Wattiefe von 762 mm, der RR Sport kommt auf 850 mm. Damit lassen sich schon einige respektable Wasserdurchfahrten bewältigen.

Im groben Einsatz gehen aber beide miteinander konform, sie wühlen sich durch Schlamm und vernaschen Schotter wie festen Untergrund. Der Range Rover fährt sich dabei herrlich kontrollierbar übersteuernd, der Wrangler prescht unbeirrt nach vorne. Da ist er so kompromisslos wie einst der Land Rover Defender oder die vorletzte Generation der G-Klasse von Mercedes.

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Selbst wenn es mal abseits des Alltags zu Steigungen kommen sollte, die man sich selbst als geübten Geländeliebhaber nicht zutraut, so schaffen beide, wenn auch nur mit bedächtigem Vorwärtskommen, Winkel von etwa 40°. Danach setzt die Physik dem ganzen seine Grenzen. Und der Mut verläßt den Fahrer…

Fazit: Wer sich wie ein Rodeoreiter durch die Wildnis kämpfen möchte, der hat mit dem Jeep den perfekten Gefährten gefunden, wer Wert auf Komfort beim Offroad-Ausflug legt, den trägt der RR Sport wie  eine Sänfte durch unwegsames Gelände.

Bericht/Fotos: Guido Strauss/automedien.de

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Fahrzeugdaten im Vergleich:

Range Rover Sport:

  •   0-100 km/h in 7,2 Sekunden
  •   Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
  •   Max. Drehmoment: 700 Nm / 1.500 min
  •   Verbrauch: 7,2 Liter Diesel

Jeep Wrangler Sahara:

  •   0-100 km/h in 10,7 Sekunden
  •   Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h
  •   Max. Drehmoment: 450 Nm / 2.000 min
  •   Verbrauch: 7,4 Liter Diesel