Die Große Bleiche in Mainz vor der Pandemie | Foto: Thorsten Lüttringhaus

Die PIRATEN & VOLT Fraktion im Mainzer Stadtrat fordert in einem Antrag einzelne Bereiche der Mainzer Innenstadt als Modellprojekt zunächst testweise und auf ein Jahr befristet autofrei zu gestalten. Im Antrag werden 7 Bereiche der Innenstadt als Testbereiche für ein Modellprojekt vorgeschlagen, u.a. der Gartenfeldplatz, der Frauenlobplatz und die Große Bleiche. Ziel des im Stadtrat eingebrachten Antrags ist einerseits eine Aufwertung der Lebensqualität an bereits stark von Fußgängern frequentierten Bereichen. Andererseits dient diese Maßnahme als konkreter Beitrag zur Umsetzung des ausgerufenen Klimanotstands.  Zudem soll das Modellprojekt die Auswirkungen von autofreien Bereichen auf Einzelhandel, Lebensqualität, Feinstaubbelastung und Mikroklima erforschen.

Aktuell nehmen Autos sehr viel Platz in der Stadt ein. Gleichzeitig ist ein Großteil der innerstädtischen CO2- und Feinstaubemissionen auf den Autoverkehr zurückzuführen. ÖPNV, Fuß- und Radverkehr sind dagegen wesentlich effizienter und umweltfreundlicher.  Langfristiges Ziel einer ambitionierten Klimaschutz- und Verkehrspolitik muss die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs in der Mainzer Innenstadt sein. Der dabei gewonnene Platz soll je nach Gegebenheiten für Grünflächen, Gastronomie und Einzelhandel, Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV freigegeben werden.

Maurice Conrad, Fraktionsvorsitzender:

“Mainz hat sich vorgenommen bis 2035 klimaneutral zu werden. Ohne den Mut unsere Städte mit einer positiven Vision grundsätzlich umzugestalten und die Innenstadt schnellstmöglich autofrei zu gestalten, ist dieses Ziel unerreichbar. Leider fehlt der Mainzer Politik genau dieser Mut. Stattdessen wird in einem viel zu langsamen Tempo viel zu wenig getan. Wir müssen die Globuli-Klimapolitik der Stadt Mainz beenden.”

Tilman Potthof, Mitglied des Verkehrsausschusses: 

“Noch in den 60er Jahren wurde die Augustinerstraße von Autos befahren, was heute kaum vorstellbar ist. Mehr Platz für Menschen und umweltfreundlichen Verkehr steigert die Lebensqualität und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Daher muss Mainz mit testweise autofreien Bereichen Erfahrungen sammeln, um eine gute Datenlage für weitere Maßnahmen zu schaffen.”

Auch Mainzer Bürgerinnen und Bürger für mehr autofreie Bereiche

Auch die Mainzer Bürgerinnen und Bürger haben sich am 9. Juni 2018 im Bürgerforum bereits für “mehr autofreie Bereiche in der Innenstadt” ausgesprochen. Zeitgleich gibt unsere Nachbarstadt Wiesbaden mit dem Pilotprojekt „Fußgängerzone in der Wellritzstraße” den Menschen ihren Lebensraum zurück und analysiert dabei die Auswirkungen auf Anwohnerinnen und Anwohner und ansässige Geschäfte. Egal ob Oslo in Norwegen, Gent in Belgien oder Madrid in Spanien. Zahlreiche Städte in Europa machen vor: Autofreie Innenstädte sind ein Gewinn für die Lebensqualität der Menschen, steigern die Attraktivität des Einzelhandels und sind klimafreundlich.

Schritt für Schritt

Eine Reduzierung des Autoverkehrs muss Schritt für Schritt erfolgen. Aus Sicht der Fraktion PIRATEN & VOLT sind mit der Umsetzung autofreier Bereiche  weitere Themen, wie beispielsweise die Schaffung alternativer Parkmöglichkeiten oder der Ausbau des ÖPNV, verbunden. Besonders Anwohner*innen stellt dies vor große Herausforderungen. Einen ganzen Stadtteil von heute auf morgen autofrei zu gestalten ist daher kaum möglich und erfordert ein schrittweises, auf einen längeren Zeitraum zielgerichtetes Vorgehen. Das Ziel muss sein, den Wechsel zu einer verkehrsberuhigten Stadt für alle Verkehrsteilnehmer so einfach, durchdacht und angenehm wie möglich zu vollziehen. Mit dem Beschluss des Antrages der Fraktion PIRATEN & VOLT würden die Weichen für eine klimafreundliche Mainzer Verkehrswende gestellt. Daher rufen wir alle Fraktionen dazu auf,  unseren Antrag im Stadtrat am 18. Dezember zu unterstützen.

Hier der komplette Antrag (Stadtrat) als PDF