Für die einen Ausdruck der Zukunft, anderen ein Dorn im Auge - Windräder. Foto: Mario Thurnes
Für die einen Ausdruck der Zukunft, anderen ein Dorn im Auge - Windräder. Foto: Mario Thurnes

Merzig. Windkraft galt ein Jahrzehnt lange als die Hoffnung für die Wirtschaft – gerade der des ländlichen Raums. Entsprechend schossen die Mühlen wie Spargel aus der Landschaft. Nun haben Branchenverbände gemeldet: Der Ausbau der Windenergie an Land ist deutschlandweit nahezu eingeschlafen. Zu den Ausnahmen zählt Rheinland-Pfalz.

Die Windräder, die in der ersten Hälfte des Jahres im Saarland gebaut wurden, sind schnell gezählt. Rechnet man die fünf Landkreise und den Stadtverband zusammen, sind es: exakt null. Bayern, Hessen und die drei Stadtstaaten kommen auf den gleichen Wert. Also wird auch in Ländern mit grüner Regierungsbeteiligung nicht mehr gebaut. Ausnahme Rheinland-Pfalz: Hier entstanden im ersten Halbjahr bundesweit die meisten Windräder.

Die Branchenverbände schlagen entsprechend Alarm: 86 Anlagen wurden im ersten Halbjahr bundesweit zugebaut, teilt der Bundesverband Wind-Energie (BWE) mit. Diese erreichen eine Leistung von 287 Megawatt. Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres ist das ein Rückgang um 82 Prozent. Und schon diesen Ausgangswert haben Branchenverbände wie der BWE als schlecht bewertet.

Das ist nicht alles. Einige, vor allem ältere, Anlagen werden zurückgebaut. Zieht man diese ab, sind unterm Strich im ersten Halbjahr nur 35 neue Anlagen mit einer Leistung von 231 Megawatt hinzugekommen. Das ist laut BWE der schlechteste Wert seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Die Zahlen bleiben zudem deutlich hinter der im EEG vorgesehenen jährlichen Ausbaumenge zurück.

Von Erreichen der Klimaziele weit entfernt

„Die Bundesregierung spricht einerseits von der Erreichung ambitionierter Ausbau- und Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2050, andererseits fehlt hierfür die Perspektive“, sagt BWE-Präsident Hermann Albers. Der Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit nehme zu.

Albers sieht in „Genehmigungsstau und Klageflut“ die Ursachen für die Misere: „Die derzeitige Schwäche des deutschen Markts liegt nicht an den Unternehmen der Branche, die kosteneffiziente und hochinnovative Produktneuheiten auf den Markt bringen, sondern an politischen Rahmenbedingungen im Bund sowie in einzelnen Ländern.“

Derzeit steckten Projekte im Genehmigungsverfahren fest, die, würden sie realisiert, einen Zuwachs von 11 000 Megawatt bedeuten würden. Auf der anderen Seite drohe die Situation, dass in zwei Jahren alte Anlagen schrittweise aus dem EEG-Fördersystem fielen. Asien oder Südamerika erlebten indes eine Zubauwelle in Sachen Erneuerbare.

Bau scheitert oft an Artenschutz

Die Fachagentur Wind an Land hat die Gründe untersucht, wegen denen Klagen gegen Windanlagen eingereicht werden. Demnach sei der Natur- und Artenschutz mit weitem Abstand der häufigste Grund. Dann folgten „militärische Belange“ und UKW-Drehfunkfeuer.

Der Rückgang hat auch mit einem politischen Beschluss der großen Koalition in Berlin zu tun. Die hat das EEG überarbeitet. Demnach wird nur noch bis zu einer bestimmten Menge an produzierter Leistung gefördert. Doch der jetzt gewonnene Zubau bleibt laut den Verbänden, unter der möglichen Fördersumme.