Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: CDU/ Laurence Chaperon

Berlin. Als Verteidigungsministerin ist Annegret Kramp-Karrenbauer diese Woche ein Richtungswechsel geglückt: Die Bundeswehr hat nach langer Zeit wieder signalisiert bekommen, dass die Gesellschaft hinter ihr steht. Gewürdigt wurde die CDU-Bundesvorsitzende dafür nicht. Es würde der Kampagne zuwiderlaufen, die einige Medien gegen Kramp-Karrenbauer fahren.

Auf Ursula von der Leyen (CDU) konnte sich die Bundeswehr verlassen: Gab es einen Vorwurf gegen Soldaten, übernahm die Ministerin diesen ungeprüft, verbreitete ihn und dramatisierte die Vorwürfe noch. Das änderte sich auch dann nicht, wenn diese Vorwürfe sich als falsch erwiesen. Gegenüber einer Kanzlerin, die grüner Politik nacheifert, kam Armee-Bashing gut an: Von der Leyen durfte – selbst von schweren Vorwürfen belastet – Karriere in Brüssel machen.

Kramp-Karrenbauer hat zum Geburtstag der Truppe eine Initiative auf die Beine gestellt. Promis wie Til Schweiger oder Oliver Welke bekannten sich unter dem Hashtag #ZeigHaltung zur Bundeswehr. Außerdem setzte Kramp-Karrenbauer bundesweit öffentliche Gelöbnisse durch. Symbole. Aber welche die bei einer von der Vorgängerin geprügelten Truppe gut ankommen.

Würden Passanten befragt, was Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende oder Verteidigungsministerin falsch gemacht haben, dürfte nicht viel Konkretes dabei herauskommen. Vielleicht “irgendwas mit Syrien”. Und trotzdem wird sie auf breiter Front abgelehnt. Die Kampagne, die Teile der Medien gegen Kramp-Karrenbauer fahren, wirkt.

Die Vorwürfe gegen Kramp-Karrenbauer begannen in der Faasend. Sie hielt an einer Gewohnheit fest und ging wieder als Putzfrau in die Bütt. Eine Rolle, die sie schon seit Jahren spielt. Hätte sie, quasi als erste Amtshandlung in der Bundespolitik, diesen Auftritt abgesagt, wäre das ein fatales Zeichen gewesen: “Die Annegret ist keine mehr von uns, sondern eine von denen”, wäre die Botschaft an die Basis gewesen.

Berufs-Aufgeregte waren zur Stelle

Ohne auf Google nachzuschauen, dürfte sich kaum noch einer dran erinnern, was Kramp-Karrenbauer genau gesagt hat. Nur dass die Aufregung groß war. Kramp-Karrenbauer griff das Thema Transsexualität auf. Die Berufs-Aufgeregten machten ihren Job und die Grünen daraus ihren Profit.

In der Syrien-Sache lag Kramp-Karrenbauer daneben. Nicht weil sie eine Schutzzone forderte. Das wäre an sich gut, wenn es sich durchsetzen ließe. Das Blöde an der Forderung war nur, dass Deutschland weder diplomatisch noch militärisch bedeutend genug ist, bei dem Thema mitsprechen zu dürfen.

Doch die Debatte war so aufgeregt, wie sie in Deutschland scheinbar nicht mehr anders sein kann. Erst fiel der Teil der Medien über Kramp-Karrenbauer her, der ohnehin schon die Kampagne gegen sie fährt. Dann nutzte Außenminister Heiko Maas (SPD) das Treffen mit dem Außenminister eines Unrechtsstaates, um seine Verteidigungsministerin für den Vorschlag zu rügen – unisono mit dem Minister des Unrechtsstaates, der eine Schutzzone bitter nötig machen würde.

Ein Minister verbrüdert sich mit dem Vertreter einer Unrechtsregierung. Kramp-Karrenbauer hat einen guten, wenn auch aussichtslosen Vorschlag. Häme und Kritik bekam sie ab. Gewichtung müssen Leser im Zeitalter des Haltungsjournalismus nicht verstehen. Es sei denn, sie lassen sich auf die banale Logik ein, dass Haltungsjournalisten den einen halt mögen und die andere nicht.

Journalisten nehmen AKK das Ende Merkels übel

Wie hat Kramp-Karrenbauer den Zorn auf sich gezogen? Sie personifiziert das nahende Karriere-Ende einer CDU-Kanzlerin, die ihre Partei zum Machterhalt weit nach links geführt hat – zu weit, als dass die Kernwähler ihrer Partei noch hinter ihr stünden. Dass Kramp-Karrenbauer dieses Ende personifiziert, haben ihr die Journalisten übel genommen, die die CDU noch nie mochten und Merkel dankbar dafür sind, dass sie die CDU inhaltlich abgeschafft hat.

Kramp-Karrenbauer steht vor zwei schweren Baustellen. Die einfachere ist noch das Verteidigungsministerium: Den Ruf der Truppe polieren, mit einer unbrauchbaren Ausrüstung klarkommen und mit zig Millionen schweren Beraterverträgen hantieren, deren Sinn zweifelhaft ist – das ist nichts im Vergleich dazu, die CDU wieder zu vereinen.

Die Vorsitzende steht zwischen Stammwählern, die Helmut Kohl nachtrauern und Funktionären, die gerne grün würden. Gleichzeitig arbeitet Kramp-Karrenbauer mit einer Kanzlerin zusammen, die sich in den ihr gewogenen Medien noch nie vor ihre potentielle Nachfolgerin gestellt hat. Und die der SPD den Koalitionsvertrag opfert, um die zwei Jahre Restlaufzeit ihrer Kanzlerschaft nicht zu gefährden.

Kramp-Karrenbauer wird vermutlich nicht Kanzlerin. Der Mann der Stunde ist Armin Laschet. Der schafft den Spagat, Haltungsjournalisten nicht zu verärgern und als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen dennoch konsequent gegen kriminelle Clans vorzugehen. Als Verteidigungsministerin sollte Kramp-Karrenbauer dennoch nicht aufgeben. Die Bundeswehr kann sie gut gebrauchen.