Symbolfoto Angst: Pixabay Amberm

Malaria ist weltweit auf dem Rückzug. Die Zahl der jungen Menschen, die einen Zugang zu Lesen und Schreiben finden, hat sich deutlich verbessert – vor 50 Jahren konnten fast 25 Prozent der Menschen zwischen 15 und 24 Jahren nicht lesen, heute sind es noch 10 Prozent. Die Lebenserwartung ist weltweit von 1974 bis 2014 von 60,5 auf 71,5 Jahre gestiegen.

Doch. Es gibt gute Nachrichten. Sie besagen: Die Welt wird besser. Allmählich. Klar. Wünschen kann sich die Menschheit mehr. Sollte sie auch. Denn nur aus dem Wunsch, besser werden zu wollen, entsteht Fortschritt. Doch der Trend stimmt.

In Deutschland scheinen diese Nachrichten allerdings nicht angekommen zu sein. In diesem Erste-Welt-Land leben die Menschen in Angst. Vor allem die Jungen. Etwa wenn es um die Gesundheit geht: 42 Prozent der 14- bis 29-Jährigen fürchtet, an einer Depression zu erkranken – oder an einer Angststörung oder einem anderen Seelenleiden. In allen anderen Altersgruppen zusammen sind es nur 30 Prozent.

Das hat eine repräsentative Studie ergeben, die die DAK nun veröffentlicht hat. Demnach fürchtet sich die junge Altersgruppe stärker vor fast jeder Krankheit, als es die Älteren tun:

  • 69 Prozent aller Deutschen fürchtet, an Krebs zu erkranken. Bei den Jungen sind es 74 Prozent.
  • Bei der Furcht vor Unfällen mit Verletzungen ist das Verhältnis 45 (Junge) zu 43 Prozent.
  • Bei Herzinfarkten 39 zu 38 Prozent.

Und auch bei der Berufswahl gehen Jugendliche auf Nummer sicher: Mehr als 40 Prozent der Studenten liebäugeln mit einem Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst. Das hat eine Umfrage ergeben, die das Beratungsunternehmen “Ernest and Young” durchführt. Zwei Jahre davor hatte der öffentliche Dienst auch schon den Spitzenplatz bei den Berufswünschen – allerdings spekulierten da nur 32 Prozent der Befragten darauf.

Der Wunsch nach Sicherheit

Die Frage, warum das so ist, lässt sich laut Ernest and Young leicht beantworten: Sicherheit sei das wichtigste Kriterium für Studenten, wenn diese über ihre Berufswahl nachdenken. Und das, obwohl sich die Wirtschaft weltweit und in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig nach oben entwickelt hat.

So wundert es denn nur noch wenig, wenn in Deutschland eine politische Strömung erfolgreich ist, die den Weltuntergang in den Mittelpunkt ihrer Agitation stellt: Wann der Planet partiell, in großen Teilen oder gar komplett unbewohnbar werden soll, dazu gibt es regelrechte Unterbietungswettbewerbe.

Es ist die Perspektive eines Landes, das statistisch immer älter wird – und mental immer feiger. In dem junge, gut ausgebildete Menschen auf einen Platz in der Amtsstube hoffen, um dort auf die Krankheit zu warten, die sicher kommen wird – wie sie glauben. Der Dezember ist die Zeit des Advents. Wörtlich übersetzt: der frohen Erwartung: Es wäre schön, wenn hierzulande tatsächlich wieder ein wenig mehr Optimismus einziehen würde.

Die Quellen zu den eingangs genannten Fortschritten sind die Weltgesundheitsorganisation WHO, die SOS-Kinderdörfer und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.