Grafik: Boost your City

Im Netz wird derzeit behauptet, die Amokfahrt in Volkmarsen sei ein islamistischer Anschlag gewesen. Vor allem AfD-Profile teilten – trotz fehlender Belege – die Falschmeldung. Auch bei uns gingen Kommentare mit den Falschinformationen von BTNews und Frauenweltbild ein.

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Selbst gut recherchierte und umfassende Informationen sind kein Allheilmittel gegen Verschwörungstheorien und gezielte Falschmeldungen. Eine angeblich jüdische Nachrichtenseite schrieb am Montagnachmittag auf Englisch, es habe sich bei der Amokfahrt um einen islamistischen Anschlag gehandelt. Trotz nicht genannter Quelle wird der Bericht auf Facebook unter anderem von der AfD Oberhausen geteilt.

Eine AfD-Seite aus Waiblingen verbreitet auch einen Bericht der Seite „Deutschland Stimme“, die behauptet, „ohne political correctness-Filter“ zu berichten. Jedoch berichten sie auch ohne jeden journalistischen Anspruch und entgegen aller vorliegenden Informationen: „Es war ein Anschlag!“

Eine alternative Realität entsteht

Viele Nutzer vertrauen anonymen ausländischen Webseiten mehr als Polizisten und Reportern, die vor Ort sind. Polizei, Regierung und Medien wird in Kommentaren vorgeworfen, zusammen zu arbeiten und Informationen zurück zu halten, um die Bürger zu belügen. Verschwörungstheorien wachsen und geglaubt wird nur noch das, was ins eigene Weltbild passt. Der Aluhut wird immer mächtiger.

Vorwurf auch an BoostyourCity von Facebook Usern

Auch uns wurde aufgrund unseres Serverausfall gestern Verschleierung vorgeworfen. Es wurde vermutet, ein islamistischer Hacker habe uns angegriffen. Die ungeschönte Wahrheit jedoch ist, dass wir lediglich aufgrund der hohen Leserzugriffe ein internes technisches Problem hatten. Auch wurde uns vorgeworfen Bildmaterial bearbeitet zu haben, um den wahren Täter aus dem arabischen Raum zu schützen.

Es wurde fast minütlich ein Screenshot unter unseren Beiträgen gepostet während unseres Serverproblems. Der Inhalt zeigte immer wieder einen Artikel mit rechter Hetze und falschen Informationen des unseriösen Portals BTNews. BtNews hat nach eigenen Angaben seinen Sitz in den USA, betreibt Server auf den Antillen und in Russland.

Aussagen der Polizei werden ignoriert

Die Polizei ist mittlerweile erfahren und ruft über ihre Social Media Profile dazu auf, nicht zu spekulieren und auf gesicherte Informationen zu warten. Unter anderem, damit Angehörige von Opfern erst informiert werden können. Außerdem können Bild- und Videoaufnahmen, die aus dem Kontext gerissen werden, Angst und Panik verbreiten. Trotzdem spekulieren Nutzer im Netz wild über die Hintergründe des Vorfalls.

Es sei bestimmt ein Anschlag von Islamisten, schreiben mehrere Nutzer. Andere kommentierten mit „Danke Merkel!“ – eine gängige Floskel in rechtsradikalen Kreisen, um der Bundeskanzlerin persönlich die Schuld für Straftaten und Anschläge zu geben. Kommentiert wird außerdem, dass eine Augenzeugin in einer WhatsApp-Gruppe geschrieben habe, der Täter habe einen Migrationshintergrund. Daher wäre es gut, wenn sich die Polizei bald äußern würde, um Spekulationen zu unterbinden, schreibt ein Twitter-Nutzer um damit die Polizei und Medien unter Druck zu setzen.

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