Corona und Wirtschaft. Tauchen diese beiden Schlagwörter im gleichen Satz auf, geht es meistens um unerfreuliche Themen wie Entlassungen, Umsatzeinbußen oder grundsätzlich um Niedergang. Ein Bodenheimer Unternehmer hat jetzt vorgemacht, dass eine sich verändernde Welt sich auch verbessern lässt – und mit neuen Bedürfnissen neue Geschäftsideen entstehen.


In dem halben Jahr zwischen erstem und zweiten Lockdown waren sie direkt nach den Stoffmasken das Symbol für eine Rückkehr in eine Normalität innerhalb des Lockdowns: Spender für Desinfektionsmittel. Meist standen sie in den Eingängen von Bürogebäuden wie einer dieser Türsteher, die einem das Gefühl vermitteln einen nur widerwillig reinzulassen – wenn überhaupt.

Der Bodenheimer Unternehmer Nils-Oliver Freimuth hat diesen Effekt bemerkt und sich die Frage gestellt: „Warum müssen Desinfektionsmittelspender immer so aussehen, dass sie von weitem schreien, dass sie ein Desinfektionsmittelspender sind.“ Das brachte ihn auf die Idee, einen hochwertigen Spender zu entwickeln – sowohl was das Design, als auch was die Qualität betrifft. Freimuth fragte sich: “Es liegt in der Natur der Sache, dass wir eine hohe Anforderung an den Wirkungsgrad des Desinfektionsmittel stellen, warum nicht auch an den Spender selbst?”

Um das Projekt umzusetzen, gründete Freimuth die „Freispeed Health Care GmbH“. Wobei Freispeed eine Kombination aus seinem Namen und dem englischen Wort für Geschwindigkeit ist. Denn Freimuth war Sprinter. Auf der 50 Meter-Strecke hat er im Freistil-Schwimmen mehrere nationale Titel gewonnen.

Der Spender, den es nun zu entwickeln galt, sollte für Freimuth so aussehen, dass er das Raumbild nicht stört. Büros sollten Büros bleiben, Verkaufssäle Verkaufssäle und Konferenzräume Konferenzräume – der Hygienespender sollte sie optisch nicht wie Zweigstellen von Krankenhäusern oder Arztpraxen wirken lassen. „Ästhetik ist ein unterschätzter Aspekt“, sagt Freimuth. „In einem ansprechenden Raum fühle ich mich wohl, lebe besser und schließe auch letztlich bessere Geschäfte ab.“

Das Kleine Schwarze für die Handpflege

Herausgekommen ist „ZwanzigZwanzig“. Was Coco Chanels „Kleine Schwarze“ für die Modewelt war, ist ZwanzigZwanzig für die Handpflege. Schwarz prägt das Design, dazu kommen eine schwungvolle Schrift und grafische Elemente in Weiß und Goldfarben. Das alles in einem Glasflakon aus der Parfumwelt.

Suche den Hygienespender! Der ZwanzigZwanzig fügt sich gut in den Raum ein. Foto: Freispeed Health Care GmbH

Freimuth hat das Design testen lassen: „Wir haben ähnlich wie bei „Finde Waldo“ Suchbilder angefertigt. Die haben wir Bekannten vorgelegt. Sie sollten den Desinfektionsmittel-Spender finden – und sie haben sich schwer getan.“ Freimuth ließ für die Bilder Büroatmosphäre nachstellen mit entsprechenden Telefonen oder Boxen für Heftklammern. Einige Tester hätten Stein und Bein geschworen, dass sich in den Telefonen oder Klammerboxen das Desinfektionsgel verstecke.

Für den Anfang sind Geschäftskunden die Zielgruppe der Freispeed Health Care GmbH. Für sie gibt es bei entsprechender Abnahme Preisnachlässe, sodass ZwanzigZwanzig deutlich unter 10 Euro kosten würde. Der Endkundenpreis beträgt anfangs 16,49 Euro. In einer Testphase wird ZwanzigZwanzig an einigen Laubenheimer Verkaufsstellen erhältlich sein, zudem im Lulu in der Mainzer Innenstadt.

Wirksames Desinfektionsmittel

Im Privatkundenbereich richtet sich ZwanzigZwanzig an eine Zielgruppe, der zum einen ansprechendes Design wichtig ist. Die zum anderen aber auch Wert auf hohe Produkt-Qualität legt. Denn in ZwanzigZwanzig steckt ein Gel mit einer hohen Wirkungsbandbreite von Corona, über Herpes, bis HIV. Es ist frei von Mikroplastik und ist rückfettend zur Haut.

„Wir mussten in der Entwicklungsphase Effekte ausprobieren“, berichtet Freimuth. Zum einen sei der schützende Effekt durch den qualitativ hochwertigen Alkohol gewollt gewesen. Zum anderen sollte der typische Desinfektionsgeruch vermieden werden. In dem Spannungsfeld habe auch die Psychologie eine Rolle gespielt: „Es ist wie bei Hustensaft, dem du auch nicht traust, wenn er zu gut schmeckt.“ Ein wenig Alkoholgeruch sei notwendig, um dem Nutzer das Gefühl zu vermitteln, dass das Gel auch hilft. Wobei bei ZwanzigZwanzig der Geruch schneller verfliege als bei anderen Produkten, verspricht Freimuth.

Foto: Freispeed Health Care GmbH

Erstes Unternehmen mit 15 Jahren gegründet

Einige Mainzer erinnern sich an Freimuth als Retter des Mombacher Schwimmbads. Zusammen mit seinem Vater führte er eine Initiative an, die dem Mombacher Schwimmverein ermöglichte das Bad in Betrieb zu lassen, als es die Stadt aus Kostengründen schließen wollte. Geschäftssinn hatte er schon früh entwickelt: Mit 15 Jahren gründete er sein erstes eigenes Unternehmen.

Seine Erfahrung als Schwimmer habe ihm geholfen: „Auch als Sprinter legst du in einigen Trainingseinheiten mehrere Kilometer zurück.“ Gewisse Abläufe müssten immer und immer wieder geübt werden, bis sie automatisiert sind. „Diese Disziplin hat mir bei der Entwicklung von ZwanzigZwanzig geholfen“, berichtet Freimuth.

Im ersten Lockdown hätten viele seiner Geschäfte im Freizeitbereich zwangsweise geruht. Doch statt Frust zu schieben, habe er sich gedacht: „Die Zeit ist mega, mir kann nichts besseres passieren.“ Tagsüber habe er Zeit gehabt, sich um die Kinder zu kümmern und als die im Bett lagen, habe er sich an den Laptop gesetzt und bis tief in die Nacht die Grundidee für ZwanzigZwanzig aufgeschrieben und das Geschäftsumfeld skizziert. Acht Monate habe die Entwicklungsphase dann gedauert.

Bewusstsein für Hygiene hat sich geändert

ZwanzigZwanzig werde mehr als nur eine kurze Konjunktur namens Corona haben, ist Freimuth überzeugt: „Wir werden nach dem Lockdown eine neue Normalität erleben.“ Diese werde sich in manchem von der Zeit vorher unterscheiden. Masken zu tragen werde etwa zu einer Normalität, wie es sie im asiatischen Raum schon vor 2020 gegeben habe.

Das gelte auch und vor allem für die Handhygiene. Freimuth berichtet von einem Bekannten, der bisher der einzige war, der das Lenkrad desinfizierte, wenn er sich einen Firmenwagen lieh. Das würden jetzt schon viele machen. Und so werde ein Gelspender zu einem Alltagsobjekt.

Desto wichtige sei es, so Freimuth, wenn dieser Spender dann ansprechend aussieht. Vielleicht sogar schön. Denn: „Es hilft, sich den Alltag schön zu gestalten.“