Mainzer Rhein-Frühling | Foto: Meikel Dachs

Deutschland ist das Land der Volksfeste und Kirmesplätze. Über 5.000 Schaustellerbetriebe sind in der Bundesrepublik zu verzeichnen und diese beschäftigen insgesamt rund 45.700 Mitarbeiter bundesweit. Mit über 11.500 Volksfesten ist Deutschland Nummer 1 im europäischen Vergleich. Und die Coronavirus Epidemie kann Existenzen und Traditionsbetriebe zerstören.

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Bundesweit stehen Volksfeste vor Absagen wegen der Epidemie. Umsatzausfälle und Entlassungen stehen in der Schaustellerbranche bevor. Nach aktueller Lage und Situation werden nach Expertenmeinungen viele der beliebten Volksfeste abgesagt. Die aktuelle Prognose: Bis nach den Osterferien werden wohl größere Veranstaltungen abgesagt.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat in einer Pressemitteilung am heutigen Dienstag (10.März) verkündet. Veranstaltungen in einem geschlossenen Raum, mit mehr als 1000 Teilnehmer, sollen bis mindestens Ende April nicht stattfinden.

Auch die Rheinland-Pfalz Ausstellung steht auf der Kippe und könnte verschoben werden.

Das würde nicht nur die Schausteller und Marktbeschicker treffen. Messebauer und Zulieferer könnten vor dem Aus stehen. Bundesweit wurden bereits 36 Volksfeste abgesagt (Stand 10. März 14:40 Uhr).

Marco Sottile, 1. Vorsitzender des IMSM zu der Situation

Der 1. Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mainzer Schausteller und Marktbeschicker e.V. (IMSM) teilt auf Anfrage von BoostyourCity mit. „Die aktuelle Situation beschäftigt nicht nur den IMSM und seine Mitglieder, es ist bundesweit ein Thema. Unsere Telefone stehen nicht still die letzten Tage. Die Veranstaltungen im Frühjahr sind ein sehr wichtiger und wirtschaftlicher Bestandteil der Schausteller. Sie sind heute noch wichtiger als 2 Generationen vor uns.“

Marco Sottile hat aktuell sein Kinderkarussell fast komplett zerlegt. Er hofft natürlich, dass es in seinem neuen Glanz wie gewohnt wieder zum Einsatz kommen kann.

„Bei den meisten Schaustellerbetrieben waren die letzte Einnahmequellen die Weihnachtsmärkte. Über das erste Quartal des neuen Jahres, werden die Fahrgeschäfte und Schaustellerbuden wieder auf Vordermann gebracht. Man modernisiert seine Gerätschaften, man optimiert diese auch im Hinblick auf den Klimaschutz. Das ist mit enormen Kosten verbunden. Wenn dann zum Start die Einnahmen wegbrechen, ist das ein wirtschaftliches Desaster für die Betriebe. Die Platzgelder werden fällig, es wurden Werbemaßnahmen bereits gestartet und finanziert.“

„Die Gesundheit und der Schutz der Besucher steht bei uns auch an erster Stelle. Wir hoffen gemeinsam, dass die Epidemie irgendwie eingedämmt werden kann. Wir informieren uns stetig beim Robert-Koch Institut und sind im engen Kontakt mit den Verantwortlichen der Städte und Gemeinden“



Bundestagsabgeordneter Dr. Joe Weingarten (SPD)

„Die Situation, wie sie mir die Schausteller geschildert haben, ist dramatisch“, sagt der rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Dr. Joe Weingarten (SPD) auf Nachfrage von Boostyourcity.

Vor diesem Hintergrund seien die Ankündigungen der Bundesregierung nicht weitreichend genug: „Wir brauchen schnellstmöglich ein Konzept, wie unmittelbar betroffenen Branchen geholfen werden kann“, sagt Weingarten. Dazu zählen für ihn neben Schaustellern auch die Touristikbranche, Konzertveranstalter oder Logistik-Unternehmer. „Die aktuelle Situation kann Unternehmen das Überleben kosten, die auch nach der Überwindung der Corona-Krise für die deutsche Wirtschaft verloren wären.“

Ab Mai ist die Ansteckungsgefahr gering

Die Fettschicht ist nur wenig hitzebeständig, sodass das Virus bei steigenden Temperaturen nicht lange überlebt. Warmes Wetter verringert außerdem die Fähigkeit des Virus, sich zu verbreiten.

„Viren haben bei niedrigen Temperaturen eine höhere Stabilität. Ähnlich wie Lebensmittel, die im Kühlschrank am längsten haltbar sind“, erklärt Prof. Dr. Thomas Pietschmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

„Schon sehr früh könnte es die ersten Sommertage mit Topwerten um 25 Grad geben. Bereits im Mai soll es die ersten Hitzetage mit Höchstwerten nahe der 30-Grad-Marke geben“, Dominik Jung, Diplom-Meteorologe vom Wetterdienst Q.met

Auch das Robert-Koch-Institut erklärte, dass kalte Temperaturen eine Infektion begünstigen. Je kälter und trockener, umso besser überleben die Viren. Je höher die Temperaturen, desto geringer sind die Überlebenschancen von Viren.

Massenansteckung oder wirtschaftliche Verluste

Auf Veranstaltungen und Volksfesten ist die Möglichkeit der Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen extrem schwierig und es kann unter ungünstigen Bedingungen zu einer Übertragung auf viele Personen kommen.

Wegen des Coronavirus wurden bereits schon zahlreiche Veranstaltungen in Deutschland abgesagt. Hierzu zählen Fachmessen wie beispielsweise die weltgrößte Reisemesse ITB. Auch in der Schweiz sowie Frankreich wurden bereits Events und Messen aufgrund des Coronavirus abgesagt und es werden täglich mehr.

Wird eine Veranstaltung durch die öffentliche Hand abgesagt, können Veranstalter sich auf höhere Gewalt berufen. Sprich, die Besucher (Eintrittskarten) und Beschicker bleiben auf den Kosten sitzen.



Das Robert-Koch Institut wendet sich an die Veranstalter

Die Bundesländer verweisen auf die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts für Veranstaltungen und werden sich danach richten müssen. Inzwischen sind in fast allen Bundesländern Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) bestätigt worden. Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen, schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein und stellt Empfehlungen für die Fachöffentlichkeit zur Verfügung.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bereits an Veranstalter appelliert, genau zu prüfen ob im Einzelfall ein Absagen, Verschieben oder die Umorganisation von Massenveranstaltungen gerechtfertigt sein könnte, um die Bevölkerung vor dem Coronavirus zu schützen.

Der Vorstandsvorsitzende der DAK Gesundheit

Der Vorstandsvorsitzende der DAK Gesundheit, Andreas Storm, fordert angesichts der aktuellen Entwicklung: „Jetzt ist dringend eine bundeseinheitliche Regelung zur Absage von Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern erforderlich. Dabei sollten genehmigungspflichtige Ausnahmeregelungen vorgesehen werden. Wir brauchen Klarheit und Verlässlichkeit!“

Die Entscheidung der Absagen obliegt den Bundesländern

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt Veranstaltungen abzusagen. „Ich bin mir bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter hat. Wir werden in den nächsten Tagen darüber sprechen, wie wir mit den wirtschaftlichen Folgen umgehen.“ erklärt er. Die Gesundheit der Bevölkerung gehe aber vor. (wie berichteten)

„Die Strategie des Austretens ist vorbei. Jetzt muss es gelingen, mit möglichst wenig Fällen in den Sommer zu kommen, bevor wir dann im Herbst mit einer zweiten, starken Welle rechnen müssen.“ erklärt der Epidemiologe Karl Lauterbach

Deutscher Schaustellerbund fordet Soforthilfen

Der Deutsche Schaustellerbund e.V. (DSB) fordert daher für betroffene Unternehmen Soforthilfen. Diese sollten vom Bund, den Ländern oder von Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Diese könnte in Form von Stundung von Steuern und laufenden Verbindlichkeiten, Steuererleichterungen und Liquiditätshilfen bestehen. (Zum vollständigen Bericht)


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