Beim ersten mal tat's noch weh. Unser Autor beim Training. Foto: Chiara Forg.

Fett abbauen, Muskulatur stärken, Haltung verbessern und endlich wieder die Treppe hochkommen, ohne zu keuchen. Alles Dinge, die unser Autor dringend nötig hat – und deswegen ein Fitness-Training startet. Das begleiten wir in der Serie “Von Null auf 99”.

Erledigt sitze ich in der Umkleide vom Gym7. Der Atem stockt. Dabei ist das Training noch gar nicht losgegangen. Ich habe mir lediglich die Sportschuhe angezogen. Und ein wenig Respekt vor dem, was jetzt auf mich zukommt. Wobei: ein wenig ist ganz stark untertrieben.

Seit vier Jahren habe ich keinen Sport mehr gemacht. Mein Personaltrainer Torben führt mich bei den Leuten im Gym7 ein: „Das ist Mario, der ist zum ersten mal hier.“ Die Antworten sind lakonisch: „Man sieht’s.“ 

Ich komme mir vor, wie die Truppe am Anfang des Films „Ein Offizier und Gentleman“. Während sie nach Luft ringend Pause machen, läuft eine fitte Truppe Fortgeschrittener an ihnen vorbei: „Schaut weg, ihr seid es nicht wert, sie anzuschauen“, brüllt sie Sergeant Foley an. Und das denke ich mir auch gerade. Nur halt über mich.

122 Kilo. Kein einziger definierter Muskel am Leib. Atemlos nach dem Schuhbinden. Ob ich je so aussehen werde, wie die Menschen, die hier sind? Vermutlich nicht. Und wenn, dann nicht so schnell. Lange habe ich es schleifen lassen, lange wird der Weg zurück sein.

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Du machst das für Dich

Es ist Torben, der mir solche Gedanken verjagt: „Du machst das für Dich. Es ist schon viel gewonnen, wenn Du die Schultern nicht so hängen lässt.“ Die richtige Körperhaltung zum Beispiel, verspricht mir mein Personaltrainer, komme von ganz alleine, wenn ich die Übungen an den Geräten erst richtig mache. Die stehen vor mir, wie eine Drohung. Das mulmige Gefühl ist trotz des Zuspruchs noch nicht weg. 

Vor vier Jahren habe ich für den Marathon trainiert und auch das in einer Serie vorgestellt. Es gab durchaus gesundheitliche Gründe, die Serie zu beenden. Aber die waren vorgeschoben. Es fehlte die Unterstützung im Haus. Zwar war die Serie beliebt. Doch trotzdem versetzten mich Fotografen auf Terminen, wurden Texte endlos geschoben. Sodass Serie und Training nicht mehr zusammenpassten.

Letztlich ist alles egal: Warum ich nichts mehr gemacht habe? Um wie viel die anderen hier besser sind? Die sind freundlich und sympathisch, ansonsten interessieren sie sich nicht für mich. Obwohl mich eine Fotografin begleitet, was einen entsprechenden Aufwand mit sich bringt. Die anderen sind hier, um ihr Ding zu machen. Und es ist meine verdammte Aufgabe, mein Ding zu machen.

Die Vorbereitung für den Marathon war einfach, sie ließ sich in Zahlen definieren: Geschaffte Laufstrecke, verlorenes Gewicht. Das ist in der Fitness nicht so einfach: Vermutlich werde ich an Gewicht erst einmal zunehmen, kündigt mir Torben an. Muskeln wiegen mehr als Fett. Zwar werde es noch einen Ernährungsplan geben, aber das werde nicht zwangsläufig ein Diätplan sein.

Das Ding sprengt jeden Keller

Die einzigen messbaren Zahlen sind die der Gewichte auf den Geräten: „Du fängst klein an“, kündigt mir Torben an. „Aber ich erwarte, dass die Gewichte größer werden. Es bringt nichts, so zu bleiben, wie man ist – das Ziel muss sein, sich zu steigern. Besser zu werden“ Das ist einleuchtend. Das entspricht dem, was ich mir vorgenommen habe. Und trotzdem ist mir ein klein wenig mulmig zumute.

Wir fangen an. Schon das erste Gerät ist größer als ich. Ein Stepper. Der sieht aus, als ob jemand ein Teil einer Rolltreppe abmontiert und mit einem Fitnesszähler verbunden hätte. Deutlich mehr als 10 000 Euro kostet so ein Gerät. Und nicht nur deshalb wäre es schwierig, es für die eigene Wohnung anzuschaffen. Das Ding ist so groß, das sprengt jeden Keller. 

Eine Minute und 30 Sekunden laufe ich schon. Auf Stufe sechs. „Tut’s weh“, fragt mich Torben. War mir die sadistische Ader an ihm vorher entgangen? Habe ich sie bewusst weggedrückt? Oder war das der Grund für mein mulmiges Gefühl? Egal. Es bewirkt etwas in mir. Nämlich dass ich nicht aufgeben will. Worum mich meine Waden eigentlich schon bitten. 

Die erste Stunde hat erst angefangen. Noch warten Geräte auf mich, die vielversprechend aussehen. Die aber auch das mulmige Gefühl anschwellen lassen. Der erste Schweiß läuft und läuft und. Da kommt Torben mit einem unmoralischen Angebot: „Ich mache nachher eine Stunde Gruppentraining – Bauch und Rücken – willst Du mitmachen?“ Ich überlege noch.

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