Foto: Schülerinnen des Lina-Hilger-Gymnasiums im Stadtarchiv. Betreut werden sie von ihrer Lehrerin Cristina Craiovan (neben Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann sitzend).

Vor 100 Jahren erkämpften die Frauen in Deutschland ihr Wahlrecht. Nach dem Ende der Monarchie waren 1919 fünf von 35 Bad Kreuznacher Stadtratsmitgliedern weiblich: Helene Voigtländer (Deutsch Nationale Volkspartei), Elsbeth Krukenberg (Deutsche Demokratische Partei), Klara Schütze (Liste der festbesoldeten und erwerbstätigen Frauen), Marie Blum-Holl von der linkssozialistischen Partei USPD und Elise Lorenz als Nachrückerin vom katholischen Zentrum. Sechs Schülerinnen des Lina-Hilger-Gymnasiums (9. Klassen) waren im Stadtarchiv auf Spurensuche und vertieften sich dort in die „spannende Lektüre“ von lokalen Dokumenten aus jener Zeit.

Charlotte Grünen, Jennifer Burck, Leonie Lebek, Annika Haberkorn, Sahra Benharkat und Mareike Schenk sind dem Aufruf des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gefolgt und beteiligen sich am Geschichtswettbewerb 2018/2019, der unter dem Motto steht: „So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch“. Ermuntert wurden sie dazu von ihrer Lehrerin für Geschichte und Chemie, Cristina Craiovan. Ihr ist es wichtig, dass Schüler und Schülerinnen auch bei außerschulischen Themen ihre Erfahrung sammeln. „Damit lernen sie viel auf dem Weg“, der bei der Teilnahme an diesem Wettbewerb beschritten wird. Nicht der Erfolg beim Wettbewerb sei nicht das Entscheidende. “Das ist auch nicht unser Ziel“, sagt Leonie Lebek, man sei stolz darauf, was man erreicht hat.

Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann, die regelmäßig Schülergruppen betreut, konnte den jungen Heimatforscherinnen einiges Material zusammenstellen. 100 Jahre alte Stadtratsprotokolle, Wählerlisten, Zeitungsberichte und Meldeunterlagen.

Sehr modern war auch Lina-Hilger, Namensgeberin des Gymnasiums. Lina Hilger war von 1903 bis 1933 Leiterin der städtischen Mädchenschule. Der Entlassung wegen „antinationalsozialistischer Gesinnung“ kam sie durch ihren Antrag auf Pensionierung zuvor.  Die Lebensgefährtin von Lina Hilger war Elsbeth Krukenberg-Conze, die nicht nur zu den ersten Stadträtinnen in Bad Kreuznach gehörte. In jungen Jahren engagierte sie sich in der SPD und in der Frauenbewegung. Sie war eine Zeit lang Herausgeberin der gemäßigten feministischen Halbjahres-Zeitschrift „der Frauenanwalt“.

100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechtes sehen die jungen Damen vom Lina-Hilger-Gymnasium die Gleichberechtigung auf einem guten Weg, wenngleich noch nicht alles verwirklicht ist. So werden Frauen häufig immer noch schlechter bezahlt als Männer. Mit Erschrecken haben sie registriert, dass noch bis in die 70er-Jahre die Frau ohne Einverständnis ihres Ehemannes nicht arbeiten durfte.